ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Asymptomatische Arteriosklerose: Visualisierte Befunde motivieren Patienten zur Reduktion kardiovaskulärer Risiken

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Asymptomatische Arteriosklerose: Visualisierte Befunde motivieren Patienten zur Reduktion kardiovaskulärer Risiken

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): A-209 / B-179 / C-179

Vetter, Christine

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Foto: Your Photo Today
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Körperliche Aktivität, Nichtrauchen, eine ausgewogene Ernährung und normales Körpergewicht, die Einnahme von antihypertensiven Medikamenten bei Bluthochdruck oder von Statinen bei Fettstoffwechselstörungen – das sind wirksame und vergleichsweise kosteneffektive Möglichkeiten, um kardiovaskulären Erkrankungen vorzubeugen. Das allgemeine Wissen um diese Zusammenhänge allein führt allerdings bei Patienten selten dazu, dass sie ihren Lebensstil entsprechend anpassen. Die visuelle Darstellung einer klinisch stummen Arteriosklerose beim einzelnen Patienten während der Ultraschalluntersuchung kann offenbar die Adhärenz bei der Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen stärken und zur Modifikation des Lebensstils motivieren.

Dies zeigen die Ergebnisse einer offenen randomisierten kontrollierten Studie bei 3 532 Teilnehmern mit einem oder mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren. Die Studienteilnehmer waren 40 bis 60 Jahre alt. Neben der klinischen Untersuchung sowie der Erhebung von Laborparametern wurde eine Ultraschalluntersuchung der Karotiden mit Bestimmung der Intima-Media-Wanddicke und der Plaquebildung durchgeführt.

Die Patienten wurden in eine Interventionsgruppe und eine Kontrollgruppe randomisiert. In der Interventionsgruppe wurden den Teilnehmern die Ergebnisse der Ultraschalluntersuchung bildlich dargestellt und erläutert. Es wurde die Bedeutung der Befunde dargestellt und die Patienten wurden dazu ermuntert, kardiovaskulären Risikofaktoren durch Verhaltensänderungen entgegenzuwirken. Einige Wochen später wurden sie von einer Krankenschwester an den Befund und die erforderliche Lebensstilmodifikation erinnert. In der Kontrollgruppe gab es solche Interventionen nicht.

Nach einem Follow-up von einem Jahr wurden die Risikoscores FRS (Framingham risk score) und SCORE (European systematic coronary risk evaluation) erhoben und miteinander verglichen. Es zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (FRS: 1,07; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,11; 2,03]; p = 0,0017; und SCORE: 0,16 [0,02; 0,30]; p = 0,0010).

Dabei ging der FRS in der Interventionsgruppe zurück, während er in der Kontrollgruppe angestiegen war (FRS Intervention: –0,58; [–0,86; –0,30] vs. FRS Kontrolle: 0,35 [0,08; 0,63]). Der SCORE-Wert nahm in beiden Gruppen zu, in der Interventionsgruppe aber weniger als im Kontrollarm (SCORE Intervention: 0,13 [0,09; 0,18] vs. SCORE Kontrolle: 0,27 [0,23; 0,30]).

Fazit: „Die Studie belegt eindrucksvoll, dass eine visuelle Demonstration pathologischer Befunde eine wichtige Möglichkeit ist, um die Adhärenz zu Therapieempfehlungen zu stärken“, kommentiert Prof. Dr. med. Christian Hamm, Direktor der Medizinischen Klinik I (Kardiologie und Angiologie) des Universitätsklinikums Gießen und Marburg das Ergebnis der Studie.

Das sollte aus seiner Sicht Konsequenzen für den klinischen Alltag haben: „Man sollte sich die Zeit nehmen, um dem Patienten die Befunde der bildgebenden Diagnostik nicht nur zu beschreiben, sondern ihm die Bilder auch zeigen und ihn im weiteren Verlauf der Behandlung auch an die Befunde erinnern“, so Hamm. Christine Vetter

Näslund U, Ng N, Lundgren A, et al.: Visualization of asymptomatic atherosclerotic disease for optimum cardiovascular prevention (VIPVIZA): a pragmatic open-label, randomized controlled trial. Lancet 2019; 393: 133-42.

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