ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Genediting: Tragik statt Schuld
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Zum Thema titelte die Süddeutsche Zeitung vom 28. November 2018 „Ein Mann spielt Gott“, das Stern Magazin Nr. 50 „Wenn Menschen Gott spielen“. Entweder stimmen diese Schlagzeilen gar nicht oder seit Prometheus Zeiten. Es kann aber auch sein, dass den Schlagzeilenerfindern ein gängiger anthropozentrischer Lapsus unterlaufen ist, der vielleicht auch Herrn Prof. Henn zum Ausruf „Empörung allein ist nicht genug“ veranlasst hat: Aber seit jeher macht Homo sapiens mit dem

„Rest der Schöpfung“ buchstäblich alles, was sein „Erfindungsreichtum“ jeweils ermöglicht, und definiert dazu bisweilen sogar seinesgleichen als „Untermenschen“. Wenn er aber an einem als solches anerkannten Mitglied der eigenen Spezies herumlaboriert, wird das herausgehoben in- kriminiert. Dabei tut er nur Spezies-spezifisches: Als evolutionäres „Highlight“, dessen dominierendem „Reptilhirn“ eine besonders potente Großhirnrinde zugewachsen ist, sich wieder und wieder als „Irrläufer der Evolution“ auf diesem Planeten zu erweisen, der die (auch) eigenen Lebensgrundlagen fortschreitend zerstört. Gottähnlichkeit? ,,Er nennt’s Vernunft und braucht’s allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein.“ (Wobei das mephistophelische Urteil offenkundig den anderen Tieren bitteres Unrecht tut.) Dennoch: Nicht Schuld, sondern Tragik.

Dr. med. Georg Fischer, 80638 München

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