ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Kardiovaskuläres Risiko unter Statintherapie: Lipoprotein(a) ist ein Prädiktor kardiovaskulärer Morbidität unabhängig von Statinen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kardiovaskuläres Risiko unter Statintherapie: Lipoprotein(a) ist ein Prädiktor kardiovaskulärer Morbidität unabhängig von Statinen

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): A-209 / B-179 / C-179

Gerste, Ronald D.

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Lipoprotein(a), ein von seiner molekularen Struktur dem LDL-Cholesterin ähnlicher Bestandteil der Blutfette, ist im Laufe der letzten Jahre verschiedentlich in epidemiologischen Studien als ein Risikofaktor für Herzinfarkt, Schlaganfall, kalzifizierte Aortenstenosen und andere kardiovaskuläre Pathologien beschrieben worden. Die meisten dieser Arbeiten basieren auf Kollektiven ohne vorhergehende Herz- und Gefäßkrankheiten und ohne sekundäre präventive Therapien. Die Bedeutung erhöhter Lipoprotein(a)-Konzentrationen für Patienten mit kardiovaskulären Ereignissen in der Anamnese und unter einer Therapie mit Statinen oder anderen in Leit- und Richtlinien beschriebenen Medikationen ist weniger klar, so eine internationale Forschergruppe.

Zur Klärung dieser Frage legen die Wissenschaftler eine Analyse von 7 randomisierten, placebokontrollierten Studien vor. Teilgenommen hatten insgesamt 29 069 Patienten, davon fast die Hälfte unter Statintherapie. Die Teilnehmer waren im Durchschnitt 62 Jahre alt, zu 72 % männlich und sie wurden für median 3 Jahre nachkontrolliert. Ziel der Analyse war die Ermittlung von Risikoraten (Hazard Ratio [HR]) für kardiovaskuläre Ereignisse, definiert als tödliche und nicht-tödliche Herzinfarkte, Schlaganfälle und koronare sowie Carotis-Revaskularisationen.

Während der 95 576 Personenjahre unter Risiko gab es 5 751 kardiovaskuläre Ereignisse. Für die Risikoerhöhung stellten die Forscher eine nahezu lineare Assoziation mit steigenden Lipoprotein(a)-Werten fest. Adjustiert für Geschlecht und Alter betrug die HR 1,04 bei Werten von 15 bis < 30 mg/dL (95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,91; 1,18]) im Vergleich zu einem Serumspiegel von < 15 mg/dL. Für Lipoprotein(a)-Werte zwischen 30 und < 50 mg/dL betrug der Risikofaktor 1,11 (1,0; 1,22) und für Konzentrationen von mindestens 50 mg/dL 1,31 (1,08; 1,58).

Die Assoziation steigender Lipoprotein(a)-Spiegel unter Statintherapie war ausgeprägter als bei Patienten unter Placebo und betrug für die genannten Serumspiegel 0,94 (0,81; 1,10), 1,06 (0,94; 1,21) und 1,43 (1,15; 1,76). Der Zusammenhang zwischen erhöhtem Lipoprotein(a) und kardiovaskulärem Risiko war bei jüngeren Patienten (< 60 Jahre) unter Statintherapie besonders eng.

Fazit: „Lipoprotein(a) ist seit vielen Jahren als möglicher Risikofaktor kardiovaskulärer Ereignisse von klinischem und wissenschaftlichem Interesse,“ erläutert Prof. Dr. med. Hans-Joachim Trappe, Direktor der Medizinischen Klinik II am Marien-Hospital Herne/Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum. „In einer Analyse von 7 randomisierten, placebokontrollierten Studien konnte nun an fast 30 000 Patienten gezeigt werden, dass das kardiovaskuläre Risiko eine nahezu lineare Assoziation mit steigendem Lipoprotein(a)-Spiegeln hatte, besonders bei Patienten unter 60 Jahren.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Willeit P, Ridker PM, Nestel PJ, et al.: Baseline and on-statin treatment lipoprotein(a) levels for prediction of cardiovascular events: individual patient-data meta-analysis of statin outcome trials. Lancet 2018; 392: 1311–20.

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