ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Fluorchinolone: FDA informiert über Assoziation zwischen Aortendissektion und Antibiotika

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fluorchinolone: FDA informiert über Assoziation zwischen Aortendissektion und Antibiotika

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): A-213 / B-181 / C-181

Meyer, Rüdiger

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Foto: 7activestudio/stock.adobe.com
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Fluorchinolone, die seit 30 Jahren als Antibiotika eingesetzt werden, erhöhen das Risiko auf eine Aortendissektion. Sie sollten deshalb bei Patienten mit einem erhöhten Hintergrundrisiko nach Möglichkeit nicht eingesetzt werden, rät die Arzneimittelbehörde FDA (1).

Fluorchinolone erhöhen das Risiko für Sehnenrupturen, vermutlich über eine Inhibition der Kollagensynthese. Das könnte sich auch auf Gefäßwände und somit auf die Entwicklung von Aneurysmen auswirken. Epidemiologische Hinweise, dass bei bestehenden Aneurysmen eine Dissektion gefördert wird, gibt es bereits. Bei der ersten Studie sah die FDA noch methodische Mängel. Inzwischen sind jedoch 3 weitere Studien zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Sie zeigten, dass vor allem unter Senioren und in den ersten 60 Tagen nach einer Fluorchinolon-Verordnung das Risiko bis zu 3-fach erhöht ist.

In einer erneuten Suche ermittelte die FDA 56 weitere Fälle in ihrer FAERS-Datenbank. Wie die Patienten der Studienpopulationen wiesen auch diese Patienten andere Risikofaktoren für ein Aortenaneurysma oder eine Dissektion auf. Das Hintergrundrisiko für Aortenaneurysma und Dissektion variiert je nach Risikopopulation stark von 9 Aortenan-eurysma-Ereignissen pro 100 000 Personen der Allgemeinbevölkerung bis zu 300 Aortenaneurysma-Ereignissen pro 100 000 in der Gruppe mit dem höchsten Risiko (etwa ein Alter über 85 Jahre).

Fazit: In der Gesamtschau kommt die FDA gleichwohl zu der Einschätzung, dass Fluorchinolone das Risiko erhöhen. Den Ärzten wird geraten, sie bei einem erhöhten Hintergrundrisiko nur zu verordnen, wenn es keine Alternativen gibt. Dazu zählen laut FDA die periphere arterielle Verschlusskrankheit, arterielle Hypertonie, genetisch bedingte Erkrankungen (Marfan- und Ehlers-Danlos-Syndrom) und das Alter. Den Patienten wird geraten, sich beim geringsten Hinweis auf eine Aortendissektion in ärztliche Behandlung zu begeben und bei akuten Symptomen sofort einen Rettungswagen zu rufen.

Die FDA hat im letzten Jahrzehnt mehrere Sicherheitsinformationen zu Fluorchinolonen veröffentlicht. Im Juli 2008 wurde auf das Risiko von Tendinitis und Sehnenruptur hingewiesen. Im August 2013 folgte eine Warnung vor einer peripheren Neuropathie. Im Mai 2016 wurde die Indikation bei unkomplizierten Infektionen eingeschränkt. Im Juli 2016 wurde auf Nebenwirkungen an Sehnen, Muskeln, Gelenken, Nerven und Gehirn hingewiesen. Im Juli 2018 erfolgte eine Warnung vor Hypoglykämien und bestimmte psychische Nebenwirkungen. Die EMA führt derzeit eine Sicherheitsprüfung durch. Rüdiger Meyer

FDA Drug Safety Communication vom 20. Dezember 2018 http://daebl.de/EU33.

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