ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Statine: Andere Relationen
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2007 waren ß-Blocker, Acetylsalicylsäure und Lipidsenker mit einer Senkung der postinfarziellen Mortalität um 25 % bzw. 15 % bzw. 20 % die dem Hausarzt zur Dauerverschreibung empfohlenen Medikamentengruppen. Bekannt war ein zusätzlicher Nutzen von ACE-Hemmern bei Vorliegen einer linksventrikulären Pumpstörung. „Als am besten abgesicherte und gleichzeitig preisgünstigste Therapie (galt) die Behandlung mit 2-mal 100 mg Metoprolol pro Tag.“ Ramipril wurde unabhängig von der Pumpfunktion ein Stellenwert für die Behandlung des Risikofaktors Hypertonie zugebilligt. Obwohl in einem für die Hausarztpraxis typischen Kollektiv mit gemischten kardiovaskulären Schäden in der CAPRIE-Studie eine signifikante relative Risikoreduktion um 8 % von Clopidogrel gegenüber ASS nachgewiesen worden war, galt für den „neueren und sehr teuren Wirkstoff“ „ein Nutzen in der Sekundärprophylaxe als nicht ausreichend belegt“. Der Lehrstuhl verlautbarte: „F ü r die bei unserem Patienten angesetzte ‚mittlere‘ Dosis von 40 mg Atorvastatin gibt es keinen evidenzbasierten Grund – selbst wenn durch diese Dosis der LDL-Zielwert von 100 mg/dl erreicht würde. Ein Vorteil gegenüber einer Standarddosis Simvastatin ist kaum zu erwarten. Es gibt bisher keine einzige Studie, die den Effekt des LDL-Titrierens durch Dosisanpassung hinsichtlich harter Endpunkte untersucht bzw. nachgewiesen hat.“ Eine Kasuistik belegt das praktische Vorgehen der vom Lehrstuhl für Allgemeinmedizin ausgesprochenen Empfehlungen: „… weshalb wir unserem Patienten auch diese ‚Pille‘ guten Gewissens ersparen können. Statt 40 mg Atorvastatin (Sortis 40®) verordnen wir Simvastatin in der Standarddosis (40 mg zur Nacht). Auf diese Weise senken wir die Ausgaben für Medikamente von 640 auf ca. 180 Euro/Quartal“. Dem 56-jährigen Patienten, wenige Wochen nach einem Infarkt aus der Rehabilitation entlassen, waren die vom Krankenhaus empfohlenen Medikamente, darunter eine ASS-Clopidogrel-Kombination, von der Arzthelferin schon als Rezepte vorbereitet worden. Das strich der Hausarzt dann handschriftlich durch. Die Risiko-Nutzen-Relation ist durch Kosten-Gewinn-Funktion ersetzt worden (Zitate aus: Sönnichsen, A. C., Donner-Banzhoff, N.: Evidenzbasierte Dauermedikation nach dem ersten Herzinfarkt. Z. Allg Med 2007; 83: 12–15).

Dr. med. Martin Wedig, 44627 Herne

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Avatar #539999
klausenwächter
am Donnerstag, 7. Februar 2019, 15:05

10 Jahre Versorgungsdefizite

"Bei Nicht-Erreichen des Zielwer-tes von < 70 mg/dl sollte zusätzlich Ezetimibe ver-ordnet werden [1, 2, 4, 5]. Wird der Zielwert auch un-ter der Kombination eines Statins und Ezetimibe in-nerhalb von 12 Monaten nicht unterschritten, sollte eine &#128;erapie mit einem PCSK9-Inhibitor diskutiert werden. " (2019)
Avatar #539999
klausenwächter
am Dienstag, 5. Februar 2019, 21:51

Leitlinie <--> Versorgung - krasse Konflikte

"Was ist bei der Sekundärprävention nach einem ACS zu beachten?

Eine intensive lipidsenkende Therapie (initial mit Statinen) mit dem Ziel einer LDL-Cholesterinsenkung <70 mg/dl ist anzustreben."

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