ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Meningokokken-B-Erkrankungen: Impfung ab 2 Monaten möglich

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Meningokokken-B-Erkrankungen: Impfung ab 2 Monaten möglich

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): A-214

Reisdorf, Simone

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Meningokokken sind weit verbreitet. Insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern, deren Immunsystem noch nicht ausgereift ist, kann die invasive Meningokokken-Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen. Dem kann mit Bexsero® bereits ab dem Alter von 2 Monaten vorgebeugt werden.

Mit bundesweit etwa 300 Betroffenen pro Jahr sind invasive Meningokokken-Erkrankungen (IME) eher selten. Sie können jedoch innerhalb kürzester Zeit schwer und sogar tödlich verlaufen. In Deutschland werden IME meist durch Meningokokken des Serotyps B (MenB) verursacht, gefolgt vom Serotyp C (MenC). Die Impfung gegen MenC wird bereits seit 2006 für Kleinkinder ab dem 2. Lebensjahr empfohlen. Für die Säuglingsimpfung gegen MenB steht seit 2013 ein 4-Komponenten-Impfstoff zur Verfügung, der im „3+1“Schema schon ab dem 2. Lebensmonat und jetzt auch im „2+1“Schema ab dem 3. Lebensmonat appliziert werden kann.

„Jede invasive Meningokokken-Erkrankung ist eine zu viel“, betonte der Pädiater Dr. med. Michael Horn aus Berchtesgaden in einer Videobotschaft bei einer Fachpressekonferenz auf dem Kinder- und Jugendärztekongress in Leipzig. Er erläuterte, dass sich die IME in 2 von 3 Fällen als Meningitis und bei den übrigen Patienten als Sepsis manifestiert. Besonders gefürchtet sei das Waterhouse-Friderichsen-Syndrom, auch als Nebennierenapoplexie oder suprarenale Apoplexie bezeichnet. Dieser akute Ausfall der Nebennieren ist eine schwere Verlaufsform der (Meningokokken-)Sepsis.

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Potenziell schwerer Verlauf nach unspezifischem Beginn

In Deutschland ist der Auslöser der IME in etwa 60 % der Fälle Neisseria meningitidis vom Typ B (MenB), in 25 % der Fälle MenC und bei den übrigen Patienten sind es die Typen A, W135 oder Y. Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Meningokokken sind weit verbreitet: Etwa jeder zehnte Erwachsene ist Träger des Keims; die Besiedelung bleibt in der Regel ohne Folgen. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder, deren Immunsystem noch nicht ausgereift sei, könnten jedoch eine IME entwickeln, so Horn. Der Erkrankungsgipfel für IME liegt in den ersten Lebensjahren. Ein zweiter, kleinerer Gipfel findet sich bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, weil diese durch ihren aktiven Lebensstil ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen. Im Jahr 2017 wurden in Deutschland 283 Erkrankungen gemeldet.

„Eine IME beginnt in der Regel mit unspezifischen, grippeartigen Symptomen, kann sich aber innerhalb weniger Stunden dramatisch verschlechtern“, erklärte Horn und beschrieb den Fall eines Patienten im Kleinkindalter, der eine Meningokokken-Sepsis trotz intensivmedizinischer Betreuung nicht überlebt hatte. Etwa jeder zehnte IME-Patient stirbt auch unter Intensivtherapie an der Erkrankung, und bis zu 20 % der Überlebenden erleiden bleibende Folgeschäden wie eine geistige Behinderung oder Lernstörung, psychische Erkrankungen, Krampfanfälle, Gehörlosigkeit oder die Amputation von Gliedmaßen, berichtete der Experte.

Die potenziell lebensbedrohlichen IME sind jedoch kein unvermeidliches Schicksal, man kann ihnen durch Impfung vorbeugen – das war eine wichtige Botschaft der Veranstaltung. Neben Impfstoffen gegen MenC stehen auch kombinierte Impfstoffe gegen die Typen A, C, W135 und Y (etwa Menveo®) sowie gegen MenB (etwa Bexsero®) zur Verfügung. Viele Krankenversicherer erstatten auf Antrag einen Teil oder auch die gesamten Kosten der MenB-Immunisierung. Bexsero kann als einziger MenB-Impfstoff bereits ab dem Alter von 2 Monaten angewendet werden; dabei werden 3 Impfungen im Säuglingsalter und eine Impfung im 2. Lebensjahr appliziert.

In Kombination mit anderen Routineimpfungen oder allein

Seit Juni 2018 besteht außerdem die Möglichkeit, bei Säuglingen eine Impfung einzusparen: Bei einem Beginn von Bexsero ab dem 3. Lebensmonat genügen 2 Injektionen im Säuglings- und eine im Kleinkindalter. Die Impfung kann den Säuglingen in Kombination mit anderen Routineimpfungen oder allein – als Teil der in der Fachinformation angegebenen Impfschemata – verabreicht werden.

Die Verträglichkeit ist vergleichbar mit der anderer Routineimpfungen in dieser Altersgruppe. An unerwünschten Wirkungen werden am ehesten Druckempfindlichkeit und Rötung an der Einstichstelle, Reizbarkeit und Fieber beobachtet. Der Impfstoff ist zudem auch für Kleinkinder, Kinder, Jugendliche und Erwachsene in diversen Applikationsintervallen zugelassen.

Andreas Krause von GlaxoSmithKline stellte außerdem die Eltern-Aufklärungskampagne „Meningitis bewegt“ vor. Sie soll helfen, werdende und junge Eltern gegenüber Meningitis zu sensibilisieren, über sie zu informieren und effektive Präventionsmaßnahmen aufzeigen. Simone Reisdorf

Quelle: Pressekonferenz „Meningokokken-Erkrankungen in der Kinder- und Jugendmedizin – Aufklärung und Schutzimpfung“ auf dem Kongress für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) in Leipzig am 13. September 2018. Veranstalter: GlaxoSmithKline

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