ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2019Feinstaub und Stickstoffverbindungen: Die Krux mit den Grenzwerten

MEDIZINREPORT

Feinstaub und Stickstoffverbindungen: Die Krux mit den Grenzwerten

Dtsch Arztebl 2019; 116(5): A-200 / B-172 / C-172

Zylka-Menhorn, Vera; Grunert, Dustin

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112 Pneumologen und Forscher haben eine Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung unterzeichnet. Darin halten sie die derzeitigen Grenzwerte als Basis von Fahrverboten für unverhältnismäßig und fordern eine Neubewertung.

Stuttgart ist eine der deutschen Großstädte, die ein Fahrverbot für „ältere“ Dieselfahrzeuge verhängt hat. Foto: picture alliance
Stuttgart ist eine der deutschen Großstädte, die ein Fahrverbot für „ältere“ Dieselfahrzeuge verhängt hat. Foto: picture alliance

Es gilt als unbestritten, dass Luftschadstoffe eine potenzielle Gefährdung der Gesundheit darstellen. Wissenschaftler, Umweltverbände und öffentliche Institutionen sind sich in dieser Frage weitestgehend einig. Selbst in Bezug auf die festgelegten Grenzwerte von Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOX) gibt es nur wenige, die eine Gegenposition vertreten.

Einer ihrer bekanntesten Vertreter ist Prof. Dr. med. Dieter Köhler, der seit Jahren für eine Neubewertung kämpft (1, 2). Der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP) hat nun Unterstützung von 112 Pneumologen und Forschern bekommen. In der gemeinsamen Stellungnahme (35) wird die Bundesregierung aufgefordert, den derzeitigen Grenzwert für Stickstoffdioxid von 40 µg/m³ Luft im Jahresmittel einer erneuten Überprüfung durch unabhängige Forscher zu unterziehen. Der aktuelle Wert, dessen Überschreitungen in einigen deutschen Großstädten zu Diesel-Fahrboten führt, basiert auf einer (evidenzbasierten) Empfehlung der Welt­gesund­heits­organi­sation.

Medialer Schlagabtausch und scheinbar unüberwindbare Kluft

Nach Ansicht der Unterzeichner der Stellungnahme enthalten die wissenschaftlichen Daten, die zum Grenzwert von 40 µg/m³ Luft führten, eine Reihe systematischer Fehler. Sie beträfen Korrelation und Kausalität, Störfaktoren (Confounder), Schwellenwert und Toxizitätsmuster sowie Falsifikation.

Mit Publikation dieser Thesen ist ein heftiger medialer Schlagabtausch entbrannt. Die Kluft zwischen beiden Lagern scheint derzeit unüberwindbar. Für die einen sind die bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen von hoher Qualität und damit aussagekräftig; für die anderen weisen sie Mängel auf, die eine Festlegung der derzeitigen Grenzwerte nicht rechtfertigen.

Doch es gibt auch wesentliche Punkte, die Befürworter und Kritiker einen, – zum Beispiel dass

  • Feinstaub und Stickoxide (NOX) grundsätzlich gesundheitsgefährdend sind;
  • die Schadstoffbelastung der Umwelt so gering wie möglich zu halten ist;
  • alle Maßnahmen zur Schadstoffvermeidung gefördert werden müssen,
  • die Manipulationen von Teilen der Autoindustrie bezüglich des Schadstoffausstoßes unverantwortlich sind.

Es stellt sich daher die Frage, warum die Grenzwertdiskussion so komplex ist. Die Ableitung von Grenzwerten ist beispielsweise nur für Stoffe und Umweltnoxen mit nachgewiesener Wirkungsschwelle möglich (6). Der Grenzwert charakterisiert dann die Expositionsgrenze, „unterhalb derer keine Gefährdung zu erwarten ist, bei deren Überschreitung allerdings eine unerwünschte Wirkung nicht mit hinreichender Sicherheit ausgeschlossen werden kann“ (7).

Grenzwertfestlegung enthält eine Reihe von Schwachpunkten

Grenzwerte enthalten allerdings in der Regel auch Faktoren, die den Grad des „Nichtwissens“ widerspiegeln. Das betrifft beispielsweise die Übertragbarkeit der Ergebnisse von Tierversuchen auf den Menschen, den Verlauf der Dosis-Wirkungs-Beziehung, mögliche Kombinationswirkungen oder darauf, dass manche Personengruppen besonders empfindlich sein könnten. Grenzwerte sind daher nicht „in Stein gemeißelt“: Mit fortschreitendem wissenschaftlichem Erkenntnisstand können/sollten sie revidiert werden, wobei sowohl Absenkungen als auch Anhebungen möglich sind (6).

Von den meisten Umweltschadstoffen steht bis heute noch nicht fest, welche gesundheitlichen Schäden sie beim Menschen zur Folge haben. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen werden Tag für Tag viele verschiedene Schadstoffe aufgenommen, deren Wirkungen sich im Körper addieren, eventuell sogar potenzieren können. Der Nachweis, dass ein Einzelstoff ein bestimmtes Krankheitsbild verursacht, ist demnach sehr schwierig. Zum anderen ist eine direkte Beziehung zwischen Ursache (Schadstoff) und Wirkung (Krankheit) aufgrund des komplexen Metabolismus des Menschen nur schwer nachzuweisen.

Für eine Anzahl von Stoffen/Substanzen sind Grenzwerte festgelegt, um Entscheidungen im Rahmen des gebietsbezogenen oder anlagenbezogenen Immissionsschutzes rechtssicher treffen zu können. Kritisch ist allerdings, dass sich die darauf beziehenden Regelungen meist auf ausgewählte Anlagen oder Gebiete begrenzen (z. B. im Rahmen von Luftreinhaltemaßnahmen) und eine allgemeine Senkung der mittleren Belastungspegel zum Ziel haben.

In den Staaten der Europäischen Union existiert ein einheitliches Recht zur Beurteilung und Kontrolle der Luftqualität. Grundlage bildet die EU-Richtlinie 2008/50/EG s vom 21. Mai 2008 über Luftqualität und saubere Luft für Europa. Diese bestätigt die geltenden Grenzwerte für NOX, Feinstaub (PM10), Schwefeldioxid, Benzol, Kohlenmonoxid und Blei. Darüber hinaus legt sie zusätzliche Luftqualitätsstandards für die noch kleineren PM2,5-Feinstäube fest (8).

Allerdings: Während der EU-Grenzwert für NO2 bei 40 µg/m³ liegt, ist sein Grenzwert für die Arbeitsplatzkonzentration fast um das 25-Fache erhöht (950 µg/m³). Wie passt das zusammen?

Arbeitsplatzgrenzwerte gelten nur für Personen an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk, bei denen an 8 Stunden täglich für maximal 40 Stunden in der Woche eine erhöhte NO2-Belastung zu erwarten ist (9). Diese Arbeitnehmer sind in der Regel (relativ) gesund, im erwerbsfähigen Alter und erhalten regelmäßig eine arbeitsmedizinische Betreuung; sie sind somit unter einer strengeren Beobachtung als die Allgemeinbevölkerung.

Dem NO2 in der Außenluft sind hingegen alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt, wenngleich die Konzentration je nach Aufenthaltsort schwanken kann. Gerade empfindliche Personen wie Kinder, Schwangere, Senioren oder Menschen mit Vorerkrankungen reagieren zum Teil wesentlich sensibler auf Umwelteinflüsse.

Diese wenigen Beispiele zeigen die Komplexität auf, die der Debatte zu Grenzwerten von Luftschadstoffen zugrunde liegt. Es sind darin viele unterschiedliche Disziplinen involviert, sodass selbst ein ausgewiesener Experte (Ärzte, Statistiker, Meteorologen, Physiker, Umweltmediziner, Politiker) nicht alle Aspekte und deren Zusammenhänge vollends überblicken kann.

Gleichzeitig treffen zwei Welten aufeinander, die unterschiedlichen Regeln unterliegen: Politik will klare Aussagen liefern und diese in „statische“ Gesetze gießen. Wissenschaft hingegen ist im steten Fluss und Diskurs – und damit häufig nicht genau abgrenzbar (dynamisch). Letztlich sind Grenzwerte das Ergebnis eines politischen Abwägungsprozesses und bei ihrer Festsetzung fließen unterschiedliche Interessenlagen ein. Es gilt, gesundheitliche Verbesserungen versus Machbarkeit und Kosten der zu ergreifenden Maßnahmen gegenüberzustellen. Und dies nicht nur national; zunehmend hat die EU-Gesetzgebung Einfluss.

Luftqualität verbessert, Zahl der Lungenerkrankungen steigt

Insgesamt sind in den letzten Jahrzehnten in Deutschland viele Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität eingeleitet worden. Dies hat zu einer deutlichen Abnahme der mittleren Belastung in den langjährigen Messreihen geführt (10). Dennoch wird in Zukunft die Anzahl der Lungenerkrankungen und die der allergischen Reaktionen in der Bevölkerung weiter ansteigen (11, 12). Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Dustin Grunert

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0519
oder über QR-Code.

Wie aus Empfehlungen Grenzwerte werden

Bei Festlegung von Grenzwerten müssen Entscheider eine Vielzahl von Einflussfaktoren abwägen:

  • Welche Schadstoffe und Schadstoff-Eigenschaften müssen reguliert werden?
  • Wie stark sind die Auswirkungen bei welcher Exposition?
  • Vor welchen nachteiligen Gesundheitseffekten soll die Bevölkerung geschützt werden?
  • Wer (welche Bevölkerungsgruppe) soll vor diesen Effekten geschützt werden?
  • Welches Risiko ist akzeptabel?
  • Welche Unsicherheiten bestehen bezüglich der Evidenz der Ergebnisse?
  • Welche Verbesserung sind „realistisch“ zu leisten? Ist die Einhaltung der Grenzwerte überhaupt machbar und wenn ja, zu welchen volkswirtschaftlichen Kosten?
1.
Grunert D, Schmitt A: Feinstaub und Stickoxide: Gefährdung nicht unterschätzen. Dtsch Arztebl 2017; 114 (50): 34 VOLLTEXT
2.
Köhler D: Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2): Eine kritische Bewertung der aktuellen Risikodiskussion. Dtsch Arztebl 2018; 115 (38): A-1645/B-1387/C-1375 VOLLTEXT
3.
Köhler D: Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOx). https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__NOx_und__Feinstaub.pdf (last accessed on 28 January 2019).
4.
Unterschriftenliste der Personen, die der Stellungnahme [von Köhler D] uneingeschränkt zustimmen. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__Unterschriftenliste.pdf (last accessed on 28 January 2019).
5.
Köhler D: Rundbrief an die Mitglieder der DGP zu: Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung für Feinstaub und NOX. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/DGP_Rundbrief.pdf (last accessed on 28 January 2019).
6.
Allergie, Umwelt und Gesundheit – Allum: Grenzwerte. https://www.allum.de/wissenswertes/zur-bedeutung-von-grenz-und-richtwerten-der-umweltmedizin/grenzwerte (last accessed on 28 January 2019).
7.
Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen: Sondergutachten „Umwelt und Gesundheit. Risiken richtig einschätzen“ (1999.) Kurzfassung. http://www.kinderumweltgesundheit.de/index2/pdf/gbe/6102_1.pdf (last accessed on 28 January 2019).
8.
Umweltbundesamt: Beurteilung und Kontrolle der Luftreinhaltung in der EU. https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/regelungen-strategien/luftreinhaltung-in-der-eu#textpart-1 (last accessed on 28 January 2019).
9.
Umweltbundesamt: Unterschied zwischen Außenluft- und Arbeitsplatzgrenzwert für NO2. https://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft (last accessed on 28 January 2019).
10.
Umweltbundesamt: Entwicklung der Luftqualität. https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/daten-karten/entwicklung-der-luftqualitaet#textpart-1 (last accessed on 28 January 2019).
11.
Deutsches Zentrum für Lungenforschung: Gemeinsam neue Wege in Prävention, Diagnose und Therapie von Lungenerkrankungen. https://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/GSF/pdf/publikationen/broschueren/DZL-flyer-einzelseiten-1.pdf (last accessed on 28 January 2019).
12.
Lommatzsch M: Erschreckend: Atemwegs- und Lungenerkrankungen nehmen drastisch zu. http://www.luft-und-lunge.de/atemwegserkrankungen/erschreckend-atemwegs-und-lungenerkrankungen-nehmen-drastisch-zu (last accessed on 28 January 2019).
1.Grunert D, Schmitt A: Feinstaub und Stickoxide: Gefährdung nicht unterschätzen. Dtsch Arztebl 2017; 114 (50): 34 VOLLTEXT
2.Köhler D: Feinstaub und Stickstoffdioxid (NO2): Eine kritische Bewertung der aktuellen Risikodiskussion. Dtsch Arztebl 2018; 115 (38): A-1645/B-1387/C-1375 VOLLTEXT
3.Köhler D: Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung durch umweltbedingte Luftverschmutzung, insbesondere Feinstaub und Stickstoffverbindungen (NOx). https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__NOx_und__Feinstaub.pdf (last accessed on 28 January 2019).
4.Unterschriftenliste der Personen, die der Stellungnahme [von Köhler D] uneingeschränkt zustimmen. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/Stellungnahme__Unterschriftenliste.pdf (last accessed on 28 January 2019).
5.Köhler D: Rundbrief an die Mitglieder der DGP zu: Stellungnahme zur Gesundheitsgefährdung für Feinstaub und NOX. https://www.lungenaerzte-im-netz.de/fileadmin/pdf/DGP_Rundbrief.pdf (last accessed on 28 January 2019).
6. Allergie, Umwelt und Gesundheit – Allum: Grenzwerte. https://www.allum.de/wissenswertes/zur-bedeutung-von-grenz-und-richtwerten-der-umweltmedizin/grenzwerte (last accessed on 28 January 2019).
7.Der Rat von Sachverständigen für Umweltfragen: Sondergutachten „Umwelt und Gesundheit. Risiken richtig einschätzen“ (1999.) Kurzfassung. http://www.kinderumweltgesundheit.de/index2/pdf/gbe/6102_1.pdf (last accessed on 28 January 2019).
8.Umweltbundesamt: Beurteilung und Kontrolle der Luftreinhaltung in der EU. https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/regelungen-strategien/luftreinhaltung-in-der-eu#textpart-1 (last accessed on 28 January 2019).
9.Umweltbundesamt: Unterschied zwischen Außenluft- und Arbeitsplatzgrenzwert für NO2. https://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft (last accessed on 28 January 2019).
10.Umweltbundesamt: Entwicklung der Luftqualität. https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/daten-karten/entwicklung-der-luftqualitaet#textpart-1 (last accessed on 28 January 2019).
11.Deutsches Zentrum für Lungenforschung: Gemeinsam neue Wege in Prävention, Diagnose und Therapie von Lungenerkrankungen. https://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/GSF/pdf/publikationen/broschueren/DZL-flyer-einzelseiten-1.pdf (last accessed on 28 January 2019).
12.Lommatzsch M: Erschreckend: Atemwegs- und Lungenerkrankungen nehmen drastisch zu. http://www.luft-und-lunge.de/atemwegserkrankungen/erschreckend-atemwegs-und-lungenerkrankungen-nehmen-drastisch-zu (last accessed on 28 January 2019).

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Avatar #715180
DrSchnitzler
am Mittwoch, 20. Februar 2019, 10:21

Erneut: "Unstatistik des Monats"

Prof. Jörg Peters schreibt in der "Unstatistik des Monats" (Januar 2017: Feinstaub durch Silvesterknaller; http://www.rwi-essen.de/unstatistik/63/):

»Der EU-Richtwert ist mit 50 Mikrogramm pro Kubikmeter darüber hinaus sehr vorsichtig bemessen (...). Zum Vergleich: Für drei Milliarden Menschen in Entwicklungsländern, die ihre Mahlzeiten mangels Strom und Gas mit Feuerholz zubereiten, sind durchschnittliche Feinstaubbelastungen von etwa 900 Mikrogramm pro Kubikmeter tagtäglich Realität. Dies sind die Missstände, die etwa die Welt­gesund­heits­organi­sation bei ihrem Kampf für saubere Luft vor allem im Auge hat.«


NEUNHUNDERT Mikrogramm.

DAS ist eine Zahl, über die zu reden ist.

Der Rest ist – offensichtlich – »Feinstaubhysterie«.
Avatar #760263
DrOKoch
am Samstag, 9. Februar 2019, 12:54

Zweifelhaft Co-Autoren

Es hat eine lange Tradition, unliebsame Fakten durch Verlautbarungen wie die der 112 Pneumologen in der Öffentlichkeit in eine Meinung zu verwandeln. Der Herr Verkehrsminister freut sich. Wir kennen das von der Tabakindustrie und und den Leugnern der Klimakatastrophe. Umso interessanter, dass der Brief offenbar von zwei Autoren mitverfasst wurde, die der Autoindustrie nahestehen: https://www.lobbycontrol.de/2019/02/dieseldebatte-ein-lungenarzt-aufruf-mit-verbindungen-zur-autoindustrie/
Avatar #579212
HNOBerlin
am Mittwoch, 6. Februar 2019, 18:21

Offensichtliche Widersprüche

Der Arbeitsplatzgrenzwert NO2 für Industriearbeitsplätze und im Handwerk liegt bei 950µg/m³, im Büro bei 60µg/m³. Nun arbeiten an solchen Arbeitsplätzen aber auch die erwähnten „empfindlichen Personen“, auch Schwangere und Menschen mit Vorerkrankungen. Personen, die angeblich durch den in der Außenluft festgelegten Grenzwert von 40µg/m³ geschützt werden sollen. Denen ist die Arbeit in diesen Bereichen nicht verboten.

Das Problem an diesen Grenzwerten ist, dass sie an der Lebenswirklichkeit und Alltagserfahrung der Bevölkerung vorbeigehen und deshalb die Sinnhaftigkeit zu Recht infrage gestellt wird. Das Kochen auf einen Gasherd oder Kerzenlicht führt zu einem höheren NO2-Wert, als der im Freien vorgeschriebene Grenzwert. Auch das Grillen und die Ofenheizung wären demnach gefährlich. Es fragt sich, wie es die Menschheit bis hierher geschafft hat, wo sie doch in ihrer Evolution wohl nur mit Schadstoffen umgegangen ist.

Es ist nicht möglich und auch nicht notwendig, alle erdenklich Risiken im Sinne des Vorsorgeprinzips, aus dem Leben zu eliminieren, wie es heutzutage die Politik mit ihren Gesetzen und Richtlinien versucht. Das ist ein hoffnungsloses Unterfangen.
Wenn heute NO2 im Vordergrund steht, wird es in einigen Jahren ein anderer Stoff sein, dem dann eine hohe Gesundheitsgefährdung nachgesagt wird.

Ganz aus dem Fokus der Diskussion gerät die erstaunliche Anpassungsfähigkeit von Lebewesen, also auch des Menschen, an ihre Umweltbedingungen. Das lernt man schon im Biologieunterricht.

Wenn im letzten Absatz festgestellt wird, dass Lungenerkrankungen und Allergien trotz deutlicher Verbesserung der Luftqualität zunehmen, dann stimmt doch etwas mit der Beziehung Ursache und Wirkung nicht.
Avatar #715180
DrSchnitzler
am Sonntag, 3. Februar 2019, 00:40

Die SCHARLATANERIE ist langsam NICHT MEHR ZUM AUSHALTEN.

Da wird allen Ernstes behauptet: "Dem NO2 in der Außenluft sind hingegen alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt".
=>
1. trifft dies allein auf "Obdachlose" zu. Es sollte ja wohl bekannt sein, dass sich die weit überwiegende Mehrheit der Menschen in D die weit überwiegende Zeit des Tages in INNENRÄUMEN aufhält.
2. Die Luft in INNENRÄUMEN ist aber so hoch belastet (teils bis 4000µg/cbm), dass sogar das UBA (Umweltbundesamt, mW 2007 oder 2008) REGELMÄSSIGES LÜFTEN empfiehlt.

FRAGE: WIEVEIEL mehr Menschen müssen also - bei REDLICHER toxikologischer Betrachtung – nach der zeitlichen und mengenmäßigen Exposition am Innenraumbedingten Feinstaub/NOx im Vergleich zur "frischen Luft" "STERBEN"?

2.
"Von den meisten Umweltschadstoffen steht bis heute noch nicht fest, welche gesundheitlichen Schäden sie beim Menschen zur Folge haben."

=> Laut Claudia Traidl-Hoffmann (31.1.2019, ZDF-Sendung "maybrit illner“) existieren inzwischen über 70.000 (in Worten: SIEBZIGTAUSEND!) Studien zum Thema.
Geht es aber – im Prinzip – nicht lediglich um einige wenige (Leit-) Substanzen und einige wenige Krankheiten (vgl. ICD-Verzeichnis!)?

FRAGE 1: Wenn aber Robert Koch (1881) m.W. genau EINE „Studie“ benötigte, um die Ursache von "Tuberkulose“ überzeugend darzulegen, oder eine Pharmafirma geschätzt vielleicht 10-20 Studien, um Wirksamkeit und Risiken einer neuen Substanz erschöpfend zu untersuchen: reden wir hier nicht eher über eine GIGANTISCHE VERSCHWENDUNGSMASCHINERIE, deren (Forschungs-) Gelder möglicherweise an relevanter(er) Stelle fehlen?

FRAGE 2: Von anderen Substanzen kennen wir ziemlich genau, was sie in welcher Dosis machen:
- Beispielsweise kann ARSENMANGEL zu Wachstumsstörungen führen (Tagesbedarf wohl bei 12,5 bis 25 mcg, ungefährlich wohl bis 1 mg/die), wenngleich Arsen in hohen Dosen toxisch bzw. tödlich ist.
- Für ihre Entdeckung von 'Stickstoffmonoxid als Signalmolekül im Herzkreislaufsystem' wurden Robert F. Furchgott, Louis J. Ignarro und Ferid Murad (alle USA) 1998 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Und dann lautet die Aussage nach SIEBZIGTAUSEND "Studien" LAPIDAR, man wisse nichts genaues?
Wo genau liegt denn nun die toxische (vgl. wirksame) Dosis? Wo eine Bagatellgrenze? Wo ggf. sogar ein TAGESBEDARF? DREI EINFACHE FRAGEN, die bspw. jede Pharmafirma "wie aus der Pistole geschossen" beantworten können MUSS. Siebzigtausend Studien und keine Antwort?

Was ist also mit Quantität, Qualität, oder Relevanz?

LEUTE. Hört endlich auf, uns diesen RIESENBÄREN AUFZUBINDEN.

Politik: steckt UNSER ALLER, SAUER VERDIENTES STEUERGELD ENDLICH in was WICHTIGES.

Wir Ärzte müssen MENSCHENLEBEN RETTEN. Und nicht ständig diesem – mit Verlaub – POPANZ hinterherlaufen.

WENN Menschen durch weitere Reduktion LÄNGER (oder besser) LEBEN KÖNNTEN (was mMn stark zu bezweifeln ist), gerne. Aber – so wie ich das sehe – doch nicht so!