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Wir bedanken uns für die Diskussionsbeiträge. Sie zeigen, wie wichtig es ist, die naturwissenschaftlich-medizinische Begründung für die Bedeutung des irreversiblen Hirnfunktionsausfalls (IHA) als sicheres Todeszeichen von anderen mit dem Tod verbundenen Fragen zu unterscheiden.

Zum einen sind die von Parzeller et al. angesprochenen, äußerlich erkennbaren sicheren Todeszeichen und die Äußerungen zu § 3 TPG nicht Gegenstand unserer Arbeit zur Bedeutung des IHA als sicheres Todeszeichen. Der Einwand gegen die Vierte Fortschreibung der Richtlinie wird ebenso wenig begründet wie der vom Kollegen Ritz geäußerte prinzipielle Zweifel an der IHA-Feststellung, sodass darauf nicht geantwortet werden kann. Die Kritik an der Bezeichnung des Todes als biologisches Lebensende des Menschen lässt sich unseres Erachtens nicht aus dem angegebenen Handbuchartikel ableiten. Die Garantenfunktion der Bundes­ärzte­kammer beruht auf den vielfältigen Aufgabenübertragungen des Transplantationsgesetzes. Angesichts unserer pluralistischen Gesellschaft überrascht nicht, dass der Deutsche Ethikrat seine Stellungnahme bekanntlich in einem Mehrheits- und Minderheitsvotum abgegeben hat. Hingegen haben wir unseren Artikel (1) interdisziplinär erarbeitet und einstimmig konsentiert.

Zum anderen versteht es sich von selbst, dass zur persönlichen Befassung mit dem Tod neben den medizinischen auch die von den Kollegen Bahemann und Ritz betonten religiös-metaphysischen, kulturellen und alle anderen als die medizinischen Belange gehören. Allerdings ist klarzustellen: Mit dem IHA fehlt das „Werkzeug Gehirn“ nicht nur für die Mitteilung des „Innenlebens“, sondern auch für jede Wahrnehmung und für das Bewusstsein. Ein „internationaler Konsens“, Menschen mit vorschriftsgemäß festgestelltem IHA seien „Sterbende, leben aber noch“, ist uns nicht bekannt. Vielmehr ist die Bedeutung des IHA als sicheres Todeszeichen weltweit von den zuständigen medizinischen Fachgesellschaften anerkannt und in verschiedenen Staaten zudem gesetzlich verankert. Die einschlägigen Äußerungen der Kirchen sind im Literaturverzeichnis unseres Artikels aufgeführt (1).

Ausdrücklich danken wir dem Kollegen Firsching für seine nochmalige Klarstellung zweier Aspekte, auch im Hinblick auf die Äußerung des Kollegen Ritz, die „Hirntoddefinition“ sei in erster Linie einem Bedürfnis der Transplantationsmedizin nachgekommen. Ohnehin sind Überlegungen zum Motiv wissenschaftlicher Aussagen von deren Inhalt klar abzugrenzen.

In diesem Sinne wollen wir auch noch einmal auf den letzten Abschnitt unseres Artikels (1) verweisen. Besonders der Ärzteschaft obliegt es, bei der Befassung mit dem IHA zugleich behutsam und sorgfältig Sach- und Sinnfragen auseinanderzuhalten. Die Akzeptanz des IHA ist auch eine Frage des Vertrauens in die medizinische Wissenschaft und deren verantwortungsbewusste Anwendung.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0099

Für die Autoren
Prof. Dr. med. Stephan A. Brandt
Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie,
Campus Charité Mitte, Charité – Universitätsmedizin, Berlin

Bundes­ärzte­kammer, Berlin
dezernat6@baek.de

Prof. Dr. med. Heinz Angstwurm (i. R.)
Neurologische Klinik der
Ludwig-Maximilians-Universität München

Interessenkonflikt
Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass keine Interessenkonflikte bestehen.

1.
Brandt SA, Angstwurm H: The relevance of irreversible loss of brain function as a reliable sign of death. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 675–8 VOLLTEXT
1.Brandt SA, Angstwurm H: The relevance of irreversible loss of brain function as a reliable sign of death. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 675–8 VOLLTEXT

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hajoritz
am Donnerstag, 28. Februar 2019, 13:12

Zweifel an Hirntoddiagnostik nicht beseitigt, Hirntoddefinition für Transplantationsmedizin instrumentalisiert


Das Schlusswort überzeugt in einigen Punkten nicht:
1. Weder die Prüfung der Hirnstammreflexe noch der Apnoetest, noch Zusatzuntersuchungen wie EEG und CTA können den irreversiblen Ausfall sämtlicher Funktionen des Großhirns, Kleinhirns und Hirnstammes sicher nachweisen (vgl. u. a. Paolo Bavastro: Organ-Transplantation. Würzburg, 2018, S. 158 ff.).
2. Der Hirntod wurde u. a. von Tönnis und Frowein 1963 als Berechtigung zum Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen bei unheilbar Kranken beschrieben. Die Definition bezog sich eindeutig auf Sterbende, die noch leben. Henry Knowles Beecher und das Harvard Committee haben sie für die Interessen der Transplantationsmedizin instrumentalisiert. Die Verbindungen Beechers zur Transplantationsmedizin sind gut belegt (vgl. u. a. Scott Henderson: Death and donation. Eugene, 2011, S. 9 ff.).
3. Aus intuitiver Laiensicht, aus philosophischer und weltanschaulicher Sicht heraus sind Hirntote noch lebendige Sterbende, die aus utilitaristischen Gründen für tot erklärt werden. Die Begründungen für die Gleichsetzung von Hirntod und Tod des Menschen (Gehirn als alleiniger Integrator des Organismus, Erlöschen des Personseins, Erlöschen der Kommunikation mit der Umwelt) fanden ernstzunehmende Gegenargumente und widersprechende klinische Beobachtungen, so dass international die Frage, ob Hirntote wirklich tot sind, auch in wissenschaftlichen Kreisen nicht endgültig beantwortet ist.

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