ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Ursache vehemente Impfgegner
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Storr und Kollegen gehen in Ihrem Artikel der Frage nach, worin Impfbarrieren und Strategien zu ihrer Überwindung bestehen (1). Dass die kritische Durchimpfungsrate für Masern in Deutschland nicht erreicht wird, hat auch mit der zunehmenden Zahl an vehementen Impfgegnern zu tun.

Diese können jedoch mittels Aufklärung schwer erreicht werden, da sie ihre Impfgegnerschaft auf weltanschaulich-ideologische Überzeugungen gründen und fachlich-sachlichen Argumenten nicht zugänglich sind. Impfskeptiker haben oft ein höheres Bildungsniveau, „gefährliches Halbwissen“ mit oder ohne naturwissenschaftlich-medizinische Vorkenntnisse, rezipieren Pseudoevidenz und wähnen sich in der Lage, wissenschaftliche Evidenz bewerten zu können, besitzen in der Regel aber keinen medizinischen Sachverstand. Ein weiteres Problem ist, dass durch erfolgreiche Impfkampagnen der Vergangenheit Erkrankungen aus dem Bewusstsein verschwunden sind, (fragliche) Impfnebenwirkungen aber verstärkt im Fokus stehen (2).

Zur Einführung einer Impfpflicht in Deutschland muss angemerkt werden, dass eine solche dem fundamentalen Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und Selbstbestimmung (Artikel 2 GG) entgegensteht.

Das Infektionsschutzgesetz sieht in § 20 Abs. 6 und Abs. 7 die Möglichkeit der Anordnung einer Impfpflicht in bestimmten Fällen vor. Auch ist Impfzwang grundsätzlich mit dem Grundgesetz vereinbar, ein entsprechendes Urteil existiert bereits aus dem Jahre 1959 (3).

Jedoch stellt sich die Frage, wie und ob man eine solche Impfpflicht – gerade im Falle der Masern – durchsetzen würde. Körperlicher Zwang ist sicher nicht vorstellbar. Dem Problem der impfskeptischen Primärversorger beizukommen, ist äußerst schwierig, da der Grundsatz der Therapiefreiheit zu beachten ist.

Die Frage ist, ob impfverweigernden Ärzten berufsrechtliche (oder gar haftungs-/strafrechtliche) Konsequenzen drohen können, wenn sie ihren Patienten (und der Allgemeinheit!) wissentlich und fortgesetzt eine nachweislich wirksame medizinische Maßnahme verweigern, die schwerwiegende Komplikationen und Todesfälle verhindern kann.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0096a

Dr. med. Benedikt Lampl

Gesundheitsamt Regensburg

benedikt.lampl@lra-regensburg.de

1.
Storr C, Sanftenberg L, Schelling J, Heininger U, Schneider A: Measles status—barriers to vaccination and strategies for overcoming them. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 723–30 VOLLTEXT
2.
Meyer C, Reiter S, Robert Koch-Institut, Berlin: Impfgegner und Impfskeptiker – Geschichte, Hintergründe, Thesen, Umgang. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2004 · 47: 1182–8 .
3.
Erdle F: Infektionsschutzgesetz – Kommentar. (6th edition), Landsberg am Lech. ecomed Medizin 2018, 77.
1.Storr C, Sanftenberg L, Schelling J, Heininger U, Schneider A: Measles status—barriers to vaccination and strategies for overcoming them. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 723–30 VOLLTEXT
2.Meyer C, Reiter S, Robert Koch-Institut, Berlin: Impfgegner und Impfskeptiker – Geschichte, Hintergründe, Thesen, Umgang. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2004 · 47: 1182–8 .
3.Erdle F: Infektionsschutzgesetz – Kommentar. (6th edition), Landsberg am Lech. ecomed Medizin 2018, 77.

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