ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Transkriptionsfaktor E47: Mechanismus des Steroid-Diabetes aufgeklärt

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Transkriptionsfaktor E47: Mechanismus des Steroid-Diabetes aufgeklärt

Dtsch Arztebl 2019; 116(6): A-272 / B-225 / C-225

Zylka-Menhorn, Vera

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Foto: molekuul.be/stock.adobe.com
Foto: molekuul.be/stock.adobe.com

Schätzungen zufolge werden in der westlichen Welt zwischen 1–3% der Menschen mit Glukokortikoiden wie Kortison behandelt, was in Deutschland 1 Million Betroffenen entsprechen würde. Allerdings wird ihr Einsatz durch verschiedene metabolische Nebeneffekte beschränkt. Forscher am Helmholtz Zentrum München und der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), Mitglieder im Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD), konnten nun einen Mechanismus aufklären, der zu diesem sogenannten Steroid-Diabetes führt.

Denn nachdem die Glukokortikoide an ihren Rezeptor in den Körperzellen gebunden haben, beginnt dieser zahlreiche Gene ein- und auszuschalten. „Dazu zählen auch verschiedene Stoffwechselgene, was in der Konsequenz zum Steroid-Diabetes führen kann“, so Prof. Dr. Henriette Uhlenhaut, Institut für Diabetes und Adipositas des Helmholtz Zentrums München (IDO).

In der aktuellen Studie untersuchte ihr Team gemeinsam mit Kollegen vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin, dem Salk Institute in San Diego und der Universität Freiburg nach den genauen Mechanismen, die nach der Bindung der Steroide an den Rezeptor ablaufen. „Dabei fiel uns vor allem der Transkriptionsfaktor E47 auf, der gemeinsam mit dem Glukokortikoid-Rezeptor für die veränderten Genaktivitäten speziell in Leberzellen sorgt“, erklärt Charlotte Hemmer, Doktorandin am IDO und Erstautorin der aktuellen Arbeit. „Diesen Zusammenhang konnten wir durch genomweite Analysen und genetische Experimente herausarbeiten.“

Diese Erkenntnisse konnten in einem präklinischen Modell bestätigt werden: Das Fehlen von E47 schützte vor den negativen Effekten der Glukokortikoide, während die Steroidgabe bei intaktem E47 mit Stoffwechselveränderungen wie Hyperglykämie, erhöhten Blutfetten oder Fettleber verbunden war.

Fazit: Da die Komponenten des neu gefundenen Mechanismus auch beim Menschen existieren, möchten Uhlenhaut und ihr Team mit klinischen Kooperationspartnern herausfinden, ob sich die Ergebnisse dort bestätigen. „In diesem Fall könnten sich neue therapeutische Eingriffsmöglichkeiten anbieten, um den Nebenwirkungen einer Steroid-Therapie durch sicherere Immunsuppressiva entgegenzuwirken“, hofft Uhlenhaut.

Dr. med. Vera Zylka-Menhorn

Hemmer, MC et al.: E47 modulates hepatic glucocorticoid action. Nature Communications, 2019. DOI: 10.1038/s41467–018–08196–5.

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