ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Prävention: Kardiologen mahnen mehr Sport für Diabetiker an

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Prävention: Kardiologen mahnen mehr Sport für Diabetiker an

Dtsch Arztebl 2019; 116(6): A-272 / B-225 / C-225

Meyer, Rüdiger

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Foto: Africa Studio/stock.adobe.com
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Körperliche Aktivität kann (auch) bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Sterblichkeit senken. Ärzte sollten ihren Patienten deshalb ein Sportprogramm verordnen, zu dem die European Society of Cardiology (ESC) eine Reihe von Vorschlägen macht. Mit dem einfachen Ratschlag, sich doch im Alltag etwas mehr zu bewegen, ist es nach Erfahrung von Hareld Kemps vom Maxima Medical Center in Veldhoven bei Eindhoven/Niederlande nicht getan. Die Ärzte sollten die Patienten auf ihre Komorbidität untersuchen, die Belastbarkeit testen und die persönlichen Vorlieben erfragen, bevor sie ein persönliches Bewegungsprogramm entwerfen, das eventuell von den Versicherungsträgern finanziell gefördert wird.

Natürlich könnten die Patienten auch ohne einen Arztbesuch tätig werden und leichtere sportliche Tätigkeiten aufnehmen. Um die langfristige Adhärenz zu erhöhen sei es jedoch ratsam, frühzeitig erreichbare und messbare Ziele festzulegen, wobei die Trainingspläne an die Präferenzen der Patienten angepasst werden sollten. Smartwatches, die ihre Daten an den Arzt weiterleiten und dann ein Feedback für den Patienten ermöglichen, sind nach Einschätzung von Kemps eine vielversprechende Entwicklung.

Die Ziele sollten dabei nicht zu hochgesteckt werden. Für eine ältere Person könnte das Treppensteigen zu Hause oder der Weg zum Supermarkt ein erstes praktisches Ziel sein, das die Lebensqualität verbessert und möglicherweise einen Beitrag zu einer besseren Blutzuckerkontrolle leistet. Für den Arzt sind die kardiorespiratorische Fitness und die Blutzuckerkontrolle die wichtigsten Ziele. Beide verbessern sich bei einem konsequenten Training. Eine Gewichtsabnahme hält Kemps dagegen nicht für ein geeignetes Ziel. Es sei schwierig, allein durch Sport abzunehmen. Wer die Gewichtsreduktion in den Mittelpunkt stelle, werde viele Patienten demotivieren.

Fazit: Die Art und Intensität der sportlichen Aktivität sollte laut Kemps auf jeden Patienten individuell angepasst werden. Am effektivsten für Herz und Kreislauf ist ein Intervalltraining mit hoher Intensität, zum Beispiel abwechselnd mäßiges und kräftiges Laufen. Dies steigere die Fitness am stärksten und auch die Blutzuckerkontrolle sei am effektivsten. Ein Intervalltraining sei jedoch nicht für alle Patienten geeignet. Für Patienten mit Arrhythmien oder Ischämien könnte es gefährlich sein. Rüdiger Meyer

Kemps H, Kränkel N, Dörr M, et al.: Exercise training for patients with type 2 diabetes and cardiovascular disease: What to pursue and how to do it. A Position Paper of the European Association of Preventive Cardiology (EAPC). Eur J Prev Cardiol. 2019. DOI: 10.1177/2047487318820420.

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