ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Notfallversorgung: Vom Patienten her denken
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… Die Frankfurter Lösung scheint ein guter Ansatz zu sein. Die Einschätzung und das entsprechende Personal muss da sein, wo ein Notfall auch adäquat behandelt werden kann. Das bedeutet, dass an entsprechend ausgerüsteten Kliniken eine Organisationsstruktur angesiedelt sein sollte, die kompetent entscheiden kann, wer welcher Diagnostik und Behandlung bedarf.

Der Umkehrschluss wäre, längerfristig nur solche Kliniken für die Erstversorgung zu nutzen, die auch eine umfassende Notfallversorgung gewährleisten können. Es nützt den Patienten nicht, dass die Krankenhäuser entsprechend einem Stufenmodell Zuschüsse für ihre Rettungsstelle bekommen, wobei auch kleine Krankenhäuser mit wenig Fachabteilungen eingeschlossen sind. Denn nicht nur eine telefonische Mangelversorgung, sondern auch die Erstversorgung am falschen Ort ist nicht zielführend und bindet unnötig Ressourcen. Wer möchte schon bei einem Schlaganfall in einem Krankenhaus ohne Stroke-Unit und ohne entsprechende Behandlungsmöglichkeit landen. Wenn ein Patient mit Schlaganfall sekundär verlegt werden muss, ist viel wertvolle Zeit vergangen, denn wie wir alle wissen: Time is brain. Das gilt übrigens auch für Politiker.

Davon abgesehen, dass das MTS eher befriedigende als besonders gute Ergebnisse zeigt, schreibt es eine ärztliche Sichtung bei Stufe 5 (nicht dringend) nach spätestens 120 Minuten vor. Wie die Realität aussieht, ist bekannt. Ich habe es sowohl als Ärztin als auch als Patientin erlebt. Das schafft nicht nur Frust bei den Patienten, sondern auch bei den Mitarbeitern.

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Krankenhäuser mit Notfallversorgung sollten die notwendigen Fachabteilungen haben und erfahrene Notfallmediziner vorhalten, die für die Erstbehandlung zuständig sind. Diese Ärzte sollten nicht stundenlang im OP verschwinden. Für besondere Situationen muss ein Rufdienst abrufbar sein. Das alles verursacht selbstverständlich Mehrkosten, die von den Krankenkassen auch übernommen werden müssen.

Es ist kaum zu glauben, dass ein so reiches Land wie Deutschland, in dem die Kassen auf Millionen Überschüssen sitzen, nicht in der Lage ist, eine suffiziente Notfallversorgung auf die Beine zu stellen, die zumindest dem selbstgewählten Triage-Ziel – nämlich einer Erstversorgung nach spätestens 2 Stunden – gerecht wird.

Es ist Zeit, endlich vom Patienten her zu denken und nicht, wie ineffiziente Kliniken finanziert werden können. Die Patienten haben ein Recht auf eine zeitgerechte und medizinisch sinnvolle Versorgung.

Dr. med. Margarita Metzger, 12621 Berlin

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