ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Risiko: Dapagliflozin hat positive Effekte auch in der kardiovaskulären Primärprävention

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Risiko: Dapagliflozin hat positive Effekte auch in der kardiovaskulären Primärprävention

Dtsch Arztebl 2019; 116(6): A-270 / B-223 / C-223

Eckert, Nadine

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Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com
Foto: Sebastian Kaulitzki/stock.adobe.com

Der SGLT2-Hemmer Dapagliflozin ist bei Patienten mit Typ-2-Diabetes und erhöhtem kardiovaskulären Risiko oder kardiovaskulärer Vorerkrankung in der Lage, die Rate an Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz zu senken. Vor kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall schützt er Diabetiker dagegen nicht, wie eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 17 160 Patienten belegt.

Knapp 60 % der Studienteilnehmer hatten multiple kardiovaskuläre Risikofaktoren, 40 % eine bereits bestehende kardiovaskuläre Erkrankung. Sie wurden randomisiert mit Dapagliflozin (10 mg täglich) oder einem Placebo behandelt und median 4,2 Jahre nachbeobachtet. Der primäre Sicherheitsendpunkt bestand aus schweren kardiovaskulären Ereignissen (kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und ischämischem Schlaganfall [MACE]).

In diesem Endpunkt erwies sich Dapagliflozin Placebo nicht unterlegen (Obergrenze des 95-%-Konfidenzintervalles [95-%-KI] < 1,3; p < 0,001 für Nichtunterlegenheit). Die primären Wirksamkeitsendpunkte waren MACE und kardiovaskulärer Tod oder Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz.

In den Effektivitätsanalysen führte Dapagliflozin nicht zu einer niedrigeren MACE-Rate (8,8 % in der Dapagliflozin-Gruppe und 9,4 % in der Placebogruppe; Hazard Ratio [HR]: 0,93 [0,84; 1,03]; p = 0,17), aber zu einer niedrigeren Rate an kardiovaskulären Todesfällen oder Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz (4,9 % vs. 5,8 %; HR: 0,83 [0,73; 0,95]; p = 0,005). Letzteres war vorwiegend bedingt durch die niedrigere Rate an Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz (HR: 0,73 [0,61; 0,88]). Bei den kardiovaskulären Todesfällen gab es keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen (HR: 0,98 [0,82; 1,17]. Als sekundäre Wirksamkeitsendpunkte wurde eine Kombination aus Verschlechterung der eGFR um ≥ 40 % auf < 60 ml/min/1,73 m2, neue Nierenerkrankung im Endstadium oder Tod aufgrund renaler oder kardiovaskulärer Ursachen sowie die Gesamtmortalität untersucht.

In der Dapagliflozin-Gruppe kam es bei 4,3 % der Patienten zu einem renalen Ereignis, in der Placebogruppe bei 5,6 % (HR: 0,76 [0,67; 0,87]). Die Gesamtmortalität betrug unter Dapagliflozin 6,2 % und unter Placebo 6,6 % (HR: 0,93 [0,82; 1,04]). In der Dapagliflozin-Gruppe waren diabetische Ketoazidosen häufiger als unter Placebo (0,3 vs. 0,1 %; p = 0,02). Dies galt auch für Genitalinfektionen, die zum Therapieabbruch führten oder als schwere Nebenwirkungen eingestuft wurden (0,9 % vs. 0,1 %; p < 0,001).

Fazit: „Die Studie ist deshalb so bedeutsam, weil darin Patienten mit deutlich niedrigerem kardiovaskulären Risiko untersucht wurden als in der EMPA-REG-OUTCOME-Studie mit Empagliflozin“, resümiert Prof. Dr. med. Andreas L. Birkenfeld, Leiter der Abteilung für Metabolisch Vaskuläre Medizin am Universitätsklinikum Dresden. In der DECLARE-TIMI-58-Population konnte mit Dapagliflozin kein Vorteil bezüglich des 3-Punkt-MACE nachgewiesen werden. Dagegen gab es sowohl einen Vorteil bei der Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizienz, als auch bei der Nephroprotektion. „Es handelt sich hier offensichtlich um einen Klasseneffekt der SGLT2-Inhibitoren, da gleiche Wirkungen bereits zuvor mit Empagliflozin und Canagliflozin nachweisbar waren“, ergänzt der Vorsitzende der AG Herz und Diabetes der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Durch das Design der DECLARE-TIMI-58-Studie konnte erstmals gezeigt werden, dass dieser Nutzen nicht nur bei bereits stattgehabtem kardiovaskulären Ereignis vorhanden ist, sondern auch bei Patienten ohne ein solches Ereignis, also in der kardiovaskulären Primärprävention. Diese wichtigen neuen Daten werden die klinische Praxis in Zukunft wesentlich beeinflussen.“ Nadine Eckert

Wiviott SD, Raz I, Bonaca MP, Mosenzon O, et al.: Dapagliflozin and cardiovascular outcomes in type 2 diabetes. N Engl J Med 2019; 380: 347–57.

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