ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Mammakarzinom: Alternativen mit Nebenwirkungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In dem interessanten und informativen Artikel werden als Alternativen zur Therapie von postmenopausalen Beschwerden wie Hitzewallungen selektive Serotonin- oder Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI oder SNRI) bei Brustkrebspatienten genannt, da eine Hormonersatztherapie unter Umständen zu einem erhöhten Rezidivrisiko führen könne. Der antidepressive Effekt der Substanzen wird als angenehmer Nebeneffekt genannt.

Allerdings erwähnt der Artikel nicht einige sehr häufige und relevante Nebenwirkungen und Probleme bei der Einnahme dieser Substanzen. Bei den Nebenwirkungen wird bei den SSRI lediglich auf die meist nur in den ersten Wochen gehäuft auftretenden gastrointestinalen Nebenwirkungen und bei den SNRI auf den möglichen Blutdruckanstieg hingewiesen.

Die Einnahme von SSRI und SNRI geht bei einem Großteil der Betroffenen mit sexuellen Funktionsstörungen wie Libidoverlust einher und bei länger andauernder Anwendung kommt es auch gehäuft zu Gewichtszunahme (1, 2, 3, 4, 5). Darüber hinaus lassen sich die Substanzen nach länger dauernder Einnahme nicht problemlos absetzen (6). Absetzeffekte wurden lange Zeit unterschätzt und können dazu führen, dass Betroffene deshalb die Medikamente über Jahre einnehmen. Vor dem Hintergrund dieser sehr relevanten Probleme bei länger dauernder Einnahme von Antidepressiva, über die Betroffene nach unserer Erfahrung häufig bei Verordnung gar nicht aufgeklärt werden, ist der immer stärker verbreiterte Einsatz dieser Substanzen bei primär nicht psychiatrischen Indikationen kritisch zu sehen.

Anzeige

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer, 83209 Prien am Chiemsee

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote