ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019GOÄ-Ratgeber: Ansatz der Nrn. 1 und 5 GOÄ bei stationären Behandlungen

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GOÄ-Ratgeber: Ansatz der Nrn. 1 und 5 GOÄ bei stationären Behandlungen

Dtsch Arztebl 2019; 116(6): A-284 / B-232 / C-232

Gorlas, Stefan

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Ein Arzt wendet sich mit der Bitte um Unterstützung an seine Lan­des­ärz­te­kam­mer. Er hat als Patient eine Rechnung über ärztliche Leistungen während eines fast zweimonatigen stationären Aufenthaltes in einer chirurgischen Klinik erhalten. Seine private Kran­ken­ver­siche­rung hat in der Rechnung den vielfachen Ansatz der Nrn. 1 („Beratung – auch mittels Fernsprecher –“) und 5 GOÄ („Symptombezogene Untersuchung“) teilweise mit dem Zuschlag B als aus Sicht des Kostenträgers nicht zutreffend beurteilt und ihm demzufolge fast ein Drittel des Rechnungsbetrages nicht erstattet.

Gemäß den Anmerkungen zu den Nrn. 45 („Visite im Krankenhaus“) und 46 GOÄ („Zweitvisite im Krankenhaus“) sind unter anderem die Leistungen nach den Nrn. 1 und 5 GOÄ nicht anstelle oder nicht neben der Visite bzw. Zweitvisite im Krankenhaus berechnungsfähig. Falls zu einem anderen Zeitpunkt an demselben Tag andere Leistungen des Abschnitts B erbracht werden, können diese mit Angabe der Uhrzeit für die Visite und die anderen Leistungen aus Abschnitt B berechnet werden.

Laut dem GOÄ-Kommentar von Brück und Nachfolgern (Deutscher Ärzteverlag) ist es insofern möglich, außerhalb der Visite andere Leistungen des Kapitels B unter der Voraussetzung abzurechnen, dass diese Leistungen gemäß § 1 Abs. 2 GOÄ medizinisch notwendig waren und zudem die betreffenden Leistungen nicht im Rahmen der Visite erbracht werden konnten. Dies betrifft laut Brück beispielsweise ausführlichere Beratungen und Untersuchungen, die aufgrund von Komplikationen erforderlich werden oder vom Patienten außerhalb der Visiten angefordert werden; des Weiteren z. B. das ausführliche Aufklärungsgespräch vor einer Operation.

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Insofern waren im vorliegenden Fall die mit den Nrn. 1 und 5 GOÄ angesetzten Leistungen teilweise berechnungsfähig, und zwar für die an postoperativen Tagen außerhalb der Visiten bei deutlichen Befundänderungen und umfangreichen Verbandwechseln erbrachten Beratungen und Untersuchungen. Hierbei handelte es sich, entgegen der Ansicht der Kran­ken­ver­siche­rung, um neue Behandlungsfälle, sodass die allgemeinen Bestimmungen des Abschnitts B Nrn. 1 und 2 GOÄ, die eine Berechnung der Nrn. 1 und/oder 5 GOÄ neben Leistungen der Abschnitte C bis O im Behandlungsfall nur einmal pro Monat ermöglichen, nicht zum Tragen kamen.

Demgegenüber musste der wiederholte Ansatz der Nrn. 1 und 5 GOÄ sowie teilweise des Zuschlags B für die regelmäßig durchgeführten Visiten und Zweitvisiten als gebührenrechtlich unzulässig beurteilt werden. Dr. med. Stefan Gorlas

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