ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2019Diabetes und Krebserkrankungen: Zwei Prozent der Malignome sind durch Diabetes verursacht, auch in Deutschland

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Diabetes und Krebserkrankungen: Zwei Prozent der Malignome sind durch Diabetes verursacht, auch in Deutschland

Dtsch Arztebl 2019; 116(6): A-271 / B-224 / C-224

Siegmund-Schultze, Nicola

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Malignome sind weltweit die zweithäufigste Todesursache durch nicht-übertragbare Erkrankungen. Die steigende Inzidenz wird teilweise auf lebensstilbedingte Faktoren zurückgeführt wie Adipositas oder metabolisches Syndrom. Aus Daten von 175 Ländern inklusive West-europa und Deutschland sind erstmals die Anteile der Krebserkrankungen abgeschätzt worden, die einem Diabetes mellitus oder der Kombination aus hohem Body-Mass-Index (BMI; > 25 kg/m2) und Diabetes zuzuordnen sind (1).

Die Analysen zum Zusammenhang von BMI, Diabetes und Krebs beziehen sich auf das Jahr 2012. Sie basieren auf Untersuchungen aus den jeweiligen Ländern zu Prävalenzen von Diabetes und Bevölkerungsanteilen aus den verschiedenen BMI-Kategorien 10 Jahre zuvor, also im Jahr 2002. Die Annahme war, dass sich Malignome, die durch diese Risikofaktoren gefördert werden, 10 Jahre später manifestiert haben können. Zur Ermittlung der Inzidenz von Krebserkrankungen 2012 wurden GLOBOCAN-Daten verwendet.

5,7 % der Malignome weltweit waren diesen Schätzungen zufolge im Jahr 2012 auf die Kombination aus Diabetes und erhöhtem BMI (> 25 kg/m2) zurückzuführen, der Anteil ist aber zwischen Ländern und Regionen unterschiedlich. Für Deutschland wird dieser Anteil auf 6 % geschätzt. Damit könnten 29 640 von jährlich circa 494 000 Krebsneuerkrankungen in Deutschland (Schätzung für 2018; [2]) auf die Kombination von Diabetes und erhöhtem BMI zurückzuführen sein.

Durch Diabetes allein entstehen im weltweiten Durchschnitt circa 2 % der Malignome, Deutschland liegt in diesem Durchschnittsbereich. Es könnten also jährlich fast 10 000 Malignom-Neudiagnosen (9 870) in Deutschland einer Diabetes-Erkrankungen zuzurechnen sein.

Die biologischen Mechanismen, die bei Diabetes und erhöhtem BMI das Malignomwachstum fördern, seien Hyperinsulinämie – Insulin hat onkogene Effekte –, Hyperglyk-ämie, chronische Entzündungsprozesse und Dysregulation der Sexualhormone. Bei 12 Tumorentitäten, für die es der Internationalen Agentur für Krebsforschung und dem World Cancer Research Fund zufolge einen Zusammenhang mit erhöhtem BMI und/oder Diabetes (6 Tumorentitäten) gibt, sind in der Studie Risikoerhöhungen errechnet worden.

Für Ösophaguskarzinome zum Beispiel beträgt das relative Risiko (RR) demnach bei erhöhtem BMI 1,48, für Diabetes ist keine Assoziation bekannt. Bei kolorektalen Karzinomen liegt der Risikofaktor für erhöhten BMI bei 1,10 und bei Diabetes bei 1,27, für Gallenblasenkarzinome sind die RR-Werte 1,25 (erhöhter BMI) und 1,52 (Diabetes), bei Pankreaskarzinomen 1,10 (erhöhter BMI) und 1,95 (Diabetes). Für alle Brustkrebserkrankungen liegt das RR für Diabetikerinnen bei 1,20. Beim postmenopausalen Mammakarzinom wird ein RR-Wert von 1,13 für Übergewicht angegeben, aber keine statistische Assoziation mit Diabeteserkrankungen.

Beim Uteruskarzinom (Endometrium) trägt Übergewicht mit dem Faktor 1,50 zu einem erhöhtem Risiko bei und Diabetes mit dem Faktor 1,97. Für Leberkrebs liegen die RR-Werte bei 1,30 für erhöhten BMI und bei 2,31 für Diabetes.

Fazit: Der Anteil der Krebserkrankungen, die durch Diabetes allein und in Kombination mit erhöhtem Körpergewicht entstehen, ist erheblich. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Pearson-Stuttard J, Zhou B, Kontis V, et al.: Worldwide burden of cancer attributable to diabetes and high body-mass index: a comparative risk assessment. Lancet Diabetes Endocrinol 2018; 6: e6–15 (corrected version).
  2. Krebs in Deutschland. Robert Koch-Institut Berlin 2017.

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