ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2019Soziale Medien: Chancen und Risiken für Psychiatriepatienten

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Soziale Medien: Chancen und Risiken für Psychiatriepatienten

PP 18, Ausgabe Februar 2019, Seite 82

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Soziale Medien haben längst in psychotherapeutische und psychiatrische Einrichtungen Einzug gehalten. Laut Oliver Czech, Klaus Podoll und Frank Schneider, Fachärzte für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Uniklinik RWTH Aachen, wurden den Auswirkungen der Kommunikation über soziale Medien aber bisher nur geringe Aufmerksamkeit gewidmet. Dies hängt vermutlich damit zusammen, dass die Kommunikation großteils ohne Wissen der Behandler abläuft und dass ihr Ausmaß und ihre Dynamik unterschätzt werden. Die Autoren berichten von einem jungen Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, der sich zu Hause unter Alkoholeinfluss selbst an Hand und Arm verletzt und anschließend Bilder davon an stationäre Mitpatienten verschickt hat. Er hoffte auf Zuspruch, löste aber stattdessen Besorgnis und Ängste bei den Mitpatienten aus. Fälle wie dieser konfrontieren Behandler damit, dass hinter ihrem Rücken kommuniziert wird, oft in Gruppen und über den stationären Aufenthalt hinaus, und dass diese Kommunikation eine massive Dynamik bei den Patienten entfalten kann. „Insbesondere bei persönlichkeitsgestörten Patienten eröffnet sich hier neben anderen Aspekten auch ein neues Agierfeld, um Bedürfnisse wie Aufmerksamkeit, Zuwendung oder auch Kontrolle und Machtgefühle zu bedienen“, so Czech und Kollegen. Das vollständige Verhindern solcher Vorfälle ist nicht möglich, vielmehr sollte bei Patienten ein Bewusstsein für Vorteile und Möglichkeiten der Nutzung sozialer Medien, aber auch für Probleme und Unvereinbarkeiten im Zusammenhang mit einer Therapie geweckt werden. Die Autoren sehen aber nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen sozialer Medien im therapeutischen Setting. Denkbar wären zum Beispiel die präzise Erfassung von Symptomen und Verhaltensweisen, die Erforschung der positiven Wirkung von Gruppenchats oder die Erfassung psychoinformatorischer Daten für Therapie und Forschung. ms

Czech OM, Podoll K, Schneider F: Nutzung sozialer Medien durch stationäre Psychotherapie-Patienten. Nervenarzt 2018; 89 (9): 1049–1053.

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