ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2019Depressionen: Vergrößerung des linken Hypothalamus

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Depressionen: Vergrößerung des linken Hypothalamus

PP 18, Ausgabe Februar 2019, Seite 83

Meyer, Rüdiger

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Patienten mit schweren Depressionen wiesen in einer Querschnittstudie in Acta Psychiatrica Scandinavica eine Vergrößerung des linken Hypothalamus auf. Die Wissenschaftler deuten dies als Folge chronischer Stressreaktionen, die Kennzeichen von Depressionen seien.

Die Ursachen von schweren Depressionen, zu denen neben der Major-Depression auch bipolare Störungen gehören, sind weitgehend unbekannt. Es ist allerdings bekannt, dass bei vielen Patienten die Produktion des Stresshormons Cortisol in der Nebennierenrinde erhöht ist. Die Forschung deutet dies als eine vermehrte Aktivität in der Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, deren zentrale Steuereinheit sich in der Hypophyse befindet. Stephanie Schindler und Mitarbeiter vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig haben deshalb die Hypothalamusregion von 40 Patienten mit Major-Depression (davon 20 ohne medikamentöse Therapie) und 21 Patienten mit bipolarer Störung in der Magnetresonanztomografie untersucht. Sie konnten dabei eines der derzeit leistungsstärksten Geräte verwenden, das ein Magnetfeld von 7 Tesla erzeugt. Die Wissenschaftler hatten vermutet, dass der Hypothalamus infolge einer Rückkopplung vermindert aktiv ist. Stattdessen stellten sie eine deutliche Vergrößerung fest. Der linke Hypothalamus hatte ein um 5 % größeres Volumen als in einer Kontrollgruppe von 23 gesunden Probanden.

Laut Schindler war die Vergrößerung des linken Hypothalamus umso deutlicher ausgeprägt, je schwerer die Depressionen der Patienten waren. Zwischen den Patienten mit Major-Depression und solchen mit bipolarer Störung bestanden keine Unterschiede. Auch die medikamentöse Behandlung scheint sich nicht auf die Vergrößerung des Stresszentrums im Gehirn auszuwirken.

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Warum es zur Volumenzunahme kommt, ist nicht bekannt. Studienleiter Privatdozent Stefan Geyer vermutet, dass die dauerhafte Stressreaktion zu plastischen Veränderungen und damit zu einer Vergrößerung der relativ kleinen Hirnregion führt. Der Hypothalamus hat in etwa die Größe eines Ein-Cent-Geldstücks, was erklären könnte, warum die Größenzunahme bisher nicht entdeckt wurde. rme

Schindler L, Schmidt M, Stroske S, et al.: Hypothalamus enlargement in mood disorders. Acta Psychiatrica Scandinavica 2018; DOI: https://doi.org/10.1111/acps.12958.

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