ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2019Humor in der Therapie: Kognitive Knoten lösen

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Humor in der Therapie: Kognitive Knoten lösen

PP 18, Ausgabe Februar 2019, Seite 84

Bomberg, Karl-Heinz

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Dieser kleine Band besticht durch hohe fachliche Kompetenz und eine produktive Kompaktheit. Humor zieht sich durch alle Bereiche des menschlichen Lebens. Humorfähigkeit ist vergleichbar mit Angst- und Schmerzfähigkeit. Diese Punkte setzen eine gewisse Differenzierung der Persönlichkeit voraus. Humor ist Bestandteil der gesamten Erlebniswelt. Die damit verbundenen Affekte sind wieder Teil der emotionalen Prozesse insgesamt. Gerade der Humor kann wiederum kognitive Knoten lösen und neue Erkenntnisse freilegen.

Nach den verschiedenen Theorien wird die Bedeutung des Humors in der Diagnostik hervorgehoben. In der Tat ist neben der allgemeinen Krankenanamnese eben auch die Humoranamnese (Lieblingswitz, gesellschaftliche und familiäre Prägungen) aufschlussreich.

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Der Autor bleibt dabei nicht stehen und beschreibt in nachvollziehbarer Weise Behandlungsinteraktionen, die die Anwendung des Humors auf Haltung und Handlung erweitern.

Es wird davon abhängen, inwieweit der Therapeut selbst eine humorvolle Einstellung entwickeln kann und über eine Fähigkeit zur Selbstironie verfügt. 

Mit der „gleichschwebenden Schlagfertigkeit“ und der „freien Bisoziation“ vom Haha- zum Aha-Effekt werden zwei neue Begriffe eingeführt, die in der analytischen Beziehungsarbeit eine Anwendungsgrundlage für den Humor bilden können. An drei Beispielen wird anschaulich erklärt, dass der Einsatz von Humor in Übertragung und Gegenübertragung einen besonderen Zugang im Kontakt entfaltet und alte Muster auflockert. Humor auch in der Ausbildung zu berücksichtigen, eröffnet einen neuen Raum.

Am Ende werden zehn Prinzipien für die Nutzung des Humors aufgestellt. Sie können als praktische Übungen gesehen und gehandhabt werden. Sie stellen darauf ein, spielbereit zu sein für die analytische Therapiestunde. Vergleichbar ist die innere Haltung vor einem Liederkonzert oder für eine Improvisation beim Jazz. Jede Therapie hat nicht nur ihre ganz eigenen Sprachwendungen, sondern auch Töne und vielfältige Körperäußerungen, die zu reflektieren sind und durchaus komische Momente enthalten können. Karl-Heinz Bomberg

Kai Rugenstein: Humor in der psychodynamischen Therapie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2018, 77 Seiten, kartoniert, 10,00 Euro

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