ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2019Psychodynamische Gruppenpsychotherapie: Ein wertvoller Begleiter für Gruppenleiter

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Psychodynamische Gruppenpsychotherapie: Ein wertvoller Begleiter für Gruppenleiter

PP 18, Ausgabe Februar 2019, Seite 84

Riegel, Björn

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Der Bedarf an Gruppentherapien in der psychotherapeutischen Versorgung ist groß und wurde zuletzt auch in den Psychotherapierichtlinien unterstrichen. Während für die verhaltenstherapeutische Gruppenpsychotherapie seit jeher Anleitungen vorliegen, ist die Literatur im psychodynamischen Bereich deutlich dünner. Die Gruppenpsychotherapie hat in der psychoanalytischen Tradition keine übergeordnete Rolle gespielt. Freud sprach zwar von einer Kollektivseele der Gruppe, die sich aus den Teilnehmern gleich welcher Charaktere begründet. Allerdings maß er der Analyse in der Gruppe keine hohe Bedeutung bei, da er für die Analyse die dyadische Beziehung für wichtig erachtete.

Dem entgegen steht die Ansicht, dass der Mensch als soziales Wesen in der Interaktion mit anderen Menschen wachsen kann und sich entwickelt. Auf dieser Basis haben Janssen und Sachs, zwei langjährige Leiter psychodynamischer Gruppen, nun ein integratives Buch vorgelegt, in dem sie sowohl die theoretischen Grundlagen nahebringen als auch praxisnahe Beispiele für die Durchführung liefern.

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Die Darstellung der Grundlagen psychodynamischer Gruppentherapie mit Ergänzung neurowissenschaftlicher Befunde sowie Erkenntnisse der Bindungsforschung stehen am Anfang des Buches. Hier werden zahlreiche grundlegende Begrifflichkeiten definiert. Gerade die Fallbeispiele vermitteln hier den Grundgedanken einer „Therapie der Gruppe“ statt einer Therapie Einzelner in Gruppen.

Der zweite große Teil beschäftigt sich mit ambulanten Gruppen und deren Rahmenbedingungen. Gerade für Therapeuten, die mit Gruppenarbeit beginnen, sind die pragmatischen Überlegungen sehr wertvoll, zum Beispiel wie man man die Sitzordnung gestaltet oder welche Regeln zu Beginn aufgestellt werden. Zudem werden anhand zahlreicher Falldarstellungen wichtige Aspekte der Gruppenarbeit beleuchtet, wie die Arbeit mit Träumen in der Gruppe oder auch besondere Situationen im Verlauf einer Therapie. Ein größerer Abschnitt beschäftigt sich zudem mit Selbsterfahrungs- und Balintgruppen.

Der dritte Teil beschreibt die Arbeit im stationären Setting. Neben einem historischen Abriss werden verschiedene Modelle des psychodynamischen Arbeitens in Kliniken dargestellt. Im Vergleich zur Anwendung im ambulanten Kontext wird diesem Thema allerdings weniger Raum gegeben. Abgeschlossen wird das Buch durch einen Teil zu speziellen Anwendungen sowie zu Wirksamkeitsstudien.

Zusammengefasst ist es durch die zahllosen hilfreichen Gedanken und Anregungen für den Praktiker eine gelungene Einführung in die psychodynamische Arbeit mit Gruppen. Björn Riegel

Paul L. Janssen, Gabriele Sachs: Psychodynamische Gruppenpsychotherapie. Theorie, Setting und Praxis. Schattauer Verlag, Stuttgart 2018, 274 Seiten mit zahlreichen Abb., gebunden, 59,99 Euro

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