ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2019Neurowissenschaften: Fundiertes Wissen ansprechend dargestellt

BÜCHER

Neurowissenschaften: Fundiertes Wissen ansprechend dargestellt

PP 18, Ausgabe Februar 2019, Seite 87

Fangauf, Ulrike

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Gerhard Roth hat bereits in früheren Veröffentlichungen das Kunststück fertiggebracht, hochkomplexe Zusammenhänge in allgemein verständlichen Worten einem Publikum nahezubringen, das sich, ohne mit der aktuellsten Forschung bis ins Letzte vertraut zu sein, für die Neurobiologie interessiert. Das gelingt zum einen über schlichte Grafiken und Tabellen, welche die für die seelischen Vorgänge relevanten Orte und Aktivitäten im Gehirn gut verdeutlichen und durch eine Sprache, die bei aller Wissenschaftlichkeit gut zu lesen ist.

Nach einer philosophischen Einführung beschreiben Roth und Nicole Strüber die Anatomie, die Neuromodulatoren, Neuropeptide und Neurohormone sowie die Entwicklung des Gehirns und erläutern anschließend neurobiologische Grundlagen der Persönlichkeit, Erscheinungsformen des Bewusstsein und des Unbewussten. Wer etwas wissen möchte über die Wirkung des körpereigenen Opioidsystems, über die anatomischen Ursachen für die Kopplung von Sexualität, Aggressivität und Dominanzverhalten beim männlichen Geschlecht, über die vielfältigen Rollen der Amygdala oder über die Interaktion von Genen und Erfahrungen, um nur ganz wenige Beispiele zu nennen, wird hier mit fundiertem Wissen beschenkt.

Anzeige

Im speziellen Teil geht es auf dieser Grundlage dann um die Entstehungsmechanismen und neurobiologischen Veränderungen bei Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen, Posttraumatischen Belastungsstörungen und Persönlichkeitsstörungen. Fragen zu Epigenetik und Resilienz, zu Ursache oder Auswirkung morphologischer Veränderungen im Gehirn werden dazu in Beziehung gesetzt. Zum Schluss werden verschiedene Therapieformen und ihre Wirkungsweise aus Sicht der Neurowissenschaften beschrieben. Hier können sich die Autoren auf ihnen fremdem Terrain nicht ganz so virtuos bewegen und bleiben eher allgemein.

Die humanistischen Therapieverfahren werden auf fünf Seiten abgehandelt, dann allerdings im Kapitel über Psychotherapie-Wirksamkeitsforschung gewürdigt, indem sehr plausibel verdeutlicht wird, dass es „entgegen vieler Behauptungen keine grundsätzliche Überlegenheit einer bestimmten Psychotherapie-Richtung über andere Richtungen“ gibt, es komme für den Therapieerfolg auf ganz andere Dinge an. Ulrike Fangauf

Gerhard Roth, Nicole Strüber: Wie das Gehirn die Seele macht. Klett-Cotta, Stuttgart 2018, 522 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, kartoniert, 14,95 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema