ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019Verlängernder Einfluss auf die Verweildauer
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„Zwei von fünf älteren Allgemeinkrankenhauspatienten sind“ nach Bickel et al. „von kognitiven Störungen betroffen“ (1). 18,4 % litten an einer Demenz. Korrekt stellen die Autoren fest, dass es sich um den Anteil an denjenigen Patienten handelte, die sich zum gleichen Zeitpunkt im Krankenhaus befanden. Die damit ermittelte Punktprävalenzrate von 18,4 % korrespondiert nach unserer Einschätzung mit einer Periodenprävalenzrate von fast 10 % an Patienten ab 65 Jahren, bei denen eine Demenz als Nebendiagnose in Routinedaten erfasst ist (2).

Bei Untersuchungen zur Häufigkeit von Erkrankungen im Krankenhaus ist der Einfluss der Verweildauer zu beachten. Die Wahrscheinlichkeit eines Behandlungsfalles zum Einschluss in eine Stichtagsuntersuchung steigt mit dessen Verweildauer. So wird ein ganzjährig versorgter Patient an jedem Stichtag einbezogen; für einen Eintagesfall beträgt die Wahrscheinlichkeit hingegen nur 1/365. Krankheiten, für die der stationäre Aufenthalt ein Risiko zur Entstehung bedeutet, weisen daher eine gegenüber der Periodenprävalenzrate erhöhte Punktprävalenzrate auf. Gleiches gilt für Erkrankungen, die den Aufenthalt verlängern. Beide Effekte können kombiniert sein, sodass Abweichungen um den Faktor 2 möglich sind.

Bei der Demenz wird ein verlängernder Einfluss auf die Verweildauer diskutiert (3). Dies kann auch für Demenz-assoziierte Erkrankungen sowie für das Alter angenommen werden. Wir empfehlen daher, die Ergebnisse für einen Vergleich mit Periodenprävalenzraten umzurechnen, zum Beispiel über eine direkte Standardisierung mit der Verweildauer in Tagen. Wir wären nicht überrascht, wenn dann die Schlussfolgerung lauten würde: Einer von zehn älteren Allgemeinkrankenhauspatienten ist von einer Demenz betroffen. Dies wäre eine Bestätigung für die Nutzung von Routinedaten bei der Einbeziehung von vulnerablen Patientengruppen in einrichtungsübergreifende Initiativen zum Qualitätsmanagement.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0116a

Prof. Dr. med. Jürgen Stausberg
Arzt für Medizinische Informatik und Ärztliches Qualitätsmanagement
Essen, stausberg@ekmed.de

Dipl.-Kf. Thomas Jungen
Caritasverband für die Diözese Trier e. V.

Dr. med. Christoph Scheu, MBA
Klinikum St. Elisabeth Straubing GmbH

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Bickel H, Hendlmeier I, Heßler JB, et al.: The prevalence of dementia and cognitive impairment in hospitals—results from the General Hospital Study (GHoSt). Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 733–40 VOLLTEXT
2.
Stausberg J: Welche projektspezifischen Indikatoren sind sinnvoll. Qualitätsindikatoren für Kirchliche Krankenhäuser (QKK). 10. Januar 2012. www.qkk-online.de/fileadmin/user_upload/dokumente/empfehlung_20120110.pdf [Last accessed on 13 November 2018].
3.
Motzek T, Junge M, Gesine Marquardt G: [Impact of dementia on length of stay and costs in acute care hospitals]. Z Gerontol Geriatr 2017; 50: 59–66. CrossRef MEDLINE
1.Bickel H, Hendlmeier I, Heßler JB, et al.: The prevalence of dementia and cognitive impairment in hospitals—results from the General Hospital Study (GHoSt). Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 733–40 VOLLTEXT
2. Stausberg J: Welche projektspezifischen Indikatoren sind sinnvoll. Qualitätsindikatoren für Kirchliche Krankenhäuser (QKK). 10. Januar 2012. www.qkk-online.de/fileadmin/user_upload/dokumente/empfehlung_20120110.pdf [Last accessed on 13 November 2018].
3. Motzek T, Junge M, Gesine Marquardt G: [Impact of dementia on length of stay and costs in acute care hospitals]. Z Gerontol Geriatr 2017; 50: 59–66. CrossRef MEDLINE

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