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In Bezug auf Demenzen im Allgemeinkrankenhaus wird der Terminus „Prävalenz“ oft in undifferenzierter Form verwendet.

Dadurch kann der falsche Eindruck entstehen, es handle sich immer um dasselbe Maß der Krankheitshäufigkeit, worauf uns Stausberg und Kollegen nochmals aufmerksam machen. Wir müssen vielmehr zwischen mindestens zwei Häufigkeitsmaßen unterscheiden. Zum einen handelt es sich dabei um den durchschnittlichen Anteil der Patienten mit Demenz an allen Patienten, die sich an einem Stichtag in der Klinik befinden (Punktprävalenz), zum anderen um den Anteil der Patienten mit Demenz an allen behandelten Patienten (Aufnahme- oder Periodenprävalenz). Je unterschiedlicher die Verweildauern von Patienten mit und ohne Demenz sind, desto stärker divergieren diese beiden Maße voneinander.

Stausberg und Kollegen vermuten, dass unserer Punktprävalenzrate von 18,4 % eine Periodenprävalenz von rund 10 % zugrundeliegen könnte und empfehlen zu Vergleichszwecken eine direkte Standardisierung mit der Verweildauer.

Nach einer aktuellen Übersichtsarbeit deuten tatsächlich die meisten Studien auf wesentlich längere Verweildauern bei komorbider Demenz hin (1). Ob das allerdings auch auf Deutschland zutrifft, ist noch unklar. In der bisher umfangreichsten Studie an sächsischen Versicherten fanden sich keine Unterschiede (2).

Da unsere Studie querschnittlich angelegt war, ist uns die Gesamtverweildauer der Patienten nicht bekannt (3). Nach der bisherigen Verweildauer von Klinikaufnahme bis Untersuchungsstichtag unterschieden sich Patienten mit und ohne Demenz indessen nicht voneinander. Dies werten wir im Einklang mit den Analyseergebnissen aus Sachsen (2) als Indiz dafür, dass die hohe Punktprävalenz in Deutschland vor allem durch höhere Klinikaufnahmeraten der Menschen mit Demenz und nicht durch eine längere Verweilzeit pro Behandlungsepisode bewirkt wird.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0116b

Für die Autoren
Dr. phil. Dipl.-Psych. Horst Bickel
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München, Klinikum rechts der Isar
horst.bickel@tum.de

Interessenkonflikt
Dr. Bickel bekam Reisekostenerstattung und Studienunterstützung (Drittmittel) von der Robert Bosch Stiftung.

1.
Möllers T, Stocker H, Wie W, Perna L, Brenner H: Length of hospital stay and dementia: A systematic review of observational studies. Int J Geriatr Psychiatry 2019; 34: 8–21 CrossRef MEDLINE
2.
Motzek T, Werblow A, Schmitt J, Marquardt G: Administrative Prävalenz und Versorgungssituation der Demenz im Krankenhaus – Eine versorgungsepidemiologische Studie basierend auf GKV-Daten sächsischer Versicherter. Gesundheitswesen (efirst) 2018 CrossRef
3.
Bickel H, Hendlmeier I, Heßler JB, et al.: The prevalence of dementia and cognitive impairment in hospitals—results from the General Hospital Study (GHoSt). Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 733–40 VOLLTEXT
1.Möllers T, Stocker H, Wie W, Perna L, Brenner H: Length of hospital stay and dementia: A systematic review of observational studies. Int J Geriatr Psychiatry 2019; 34: 8–21 CrossRef MEDLINE
2.Motzek T, Werblow A, Schmitt J, Marquardt G: Administrative Prävalenz und Versorgungssituation der Demenz im Krankenhaus – Eine versorgungsepidemiologische Studie basierend auf GKV-Daten sächsischer Versicherter. Gesundheitswesen (efirst) 2018 CrossRef
3.Bickel H, Hendlmeier I, Heßler JB, et al.: The prevalence of dementia and cognitive impairment in hospitals—results from the General Hospital Study (GHoSt). Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 733–40 VOLLTEXT

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