ArchivDeutsches Ärzteblatt26/1996Onkologische Therapie mit Topotecan: Angriff auf ein DNS-Schlüsselenzym

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Onkologische Therapie mit Topotecan: Angriff auf ein DNS-Schlüsselenzym

Wehr, Alexander

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LNSLNS Die selektive Blockade eines wichtigen DNS-Enzyms – der Topoisomerase I – mit Topotecan kann die Therapie von Ovarialkarzinomen und des kleinzelligen Bronchialkarzinoms (SCLC) optimieren. Das Enzym Topoisomease I ist erforderlich für die Replikation der DNS, die Transkription, die Reparatur von DNS-Schäden und die Genexpression. Wird das Enzym gehemmt, geht die proliferierende Krebszelle zugrunde.
Das Chemotherapeutikum Topotecan ist ein Alkaloid aus dem in China vorkommenden Baum Camptotheca acuminata. Die antineoplastische Wirkung der Camptothecine wurde vom amerikanischen National Cancer Institute (NCI) bereits in den 60er Jahren entdeckt und erforscht. Wegen toxischer Begleiterscheinungen brach man damals erste klinische Studien ab. Erst die Optimierung der Galenik und Herstellung eines wasserlöslichen, semisynthetischen Camptothecin-Analogons führte zu einer im Vergleich zur Muttersubstanz ungleich wirksameren, aber auch verträglicheren und gut steuerbaren Substanz.
Die antineoplastische Wirkung von Topotecan konnte bisher für verschiedene Tumoren gesichert werden, die meisten klinischen Daten und praktischen Erfahrungen liegen allerdings für das Ovarialkarzinom und das kleinzellige Bronchialkarzinom (SCLC) vor, betonte Professor Christian Manegold (Thorax-Klinik Heidelberg) auf einem von SmithKline Beecham Pharma ausgerichteten Symposium während des 22. Deutschen Krebskongresses in Berlin.
Ein Überblick über bislang durchgeführte klinische Studien zeige, so Manegold, daß Topotecan sowohl bei vorbehandelten, chemotherapiesensiblen, als auch refraktären SCLC zu Responseraten um 40 Prozent führe. Beim chemotherapiesensiblen SCLC kam es dabei in 15 Prozent zu einer kompletten, in 18 Prozent zu einer partiellen Remission, bei therapierefraktären Tumoren immerhin noch in drei Prozent zu einer kompletten Remission. "Mit Topotecan steht daher ein wirksames Chemotherapeutikum in der so wichtigen Second-lineTherapie des kleinzelligen Bronchialkarzinoms zur Verfügung", erklärte Manegold.


Responseraten
Von klinischer Bedeutung ist darüber hinaus die Liquorgängigkeit der Substanz und damit das Ansprechen zerebraler Metastasen. Eine Responserate von 40 Prozent konnte auch Dr. Joan H. Schiller (University of Wisconsin Comprehensive Cancer Center) bei einer Phase-II-Studie objektivieren, bei der 48 Patienten mit ausgedehntem SCLC Topotecan als First-Line-Therapeutikum erhielten. Anschließend wurden die Patienten mit Etoposid – einem Topoisomerase-II-Inhibitor – plus Cisplatin weiterbehandelt. Um einer Myelosuppression entgegenzuwirken, erhielten 35 der 48 Patienten neben Topotecan zusätzlich den Wachstumsfaktor G-CSF.
Wie die Expertin weiter ausführte, betrug die Responsedauer im Mittel 4,8 Monate, die Ein-JahresÜberlebensrate lag bei 39 Prozent. Allerdings, so Schiller, seien weitere Studien notwendig, um den optimalen Kombinationspartner für Topotecan zu finden.
Mittlerweile liegen die Ergebnisse mehrerer Phase-II-Studien vor, in denen die Effizienz von Topotecan bei Platin- und auch bei Platin- plus-Paclitaxel-vorbehandelten Patientinnen mit Ovarialkarzinom überprüft wurde. Topotecan wurde dabei als Second- und Third-line-Therapeutikum gegeben. Die vorläufigen Ergebnisse einer Vergleichsstudie gegen Paclitaxel ergaben bei derzeit 65 auswertbaren Patienten eine Ansprechrate auf Topotecan von 29 Prozent. Eine kumulative Toxizität wurde auch hier bisher nicht beobachtet, das Ausmaß der nicht hämatologischen Toxizität war milde. Am häufigsten wurden Alopezie und Nausea beobachtet.
Alexander Wehr

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