ArchivDÄ-TitelSupplement: PerspektivenPneumologie & Allergologie 1/2019Rauchstopp: E-Zigaretten erfolgreicher als Nikotinersatzprodukte

Supplement: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Rauchstopp: E-Zigaretten erfolgreicher als Nikotinersatzprodukte

Dtsch Arztebl 2019; 116(7): [40]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2019.02.15.007

Meyer, Rüdiger

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Langjährigen Rauchern ist es in einer randomisierten Studie mit E-Zigaretten doppelt so häufig wie mit konventionellen Nikotinersatzprodukten gelungen, auf das Tabakrauchen zu verzichten. Nach einem Jahr kamen jedoch die wenigsten Teilnehmer ohne Nikotin aus.

Der Nutzen von E-Zigaretten als Entwöhnungsmittel für Raucher wird kontrovers diskutiert. Befürworter halten den Dampf aus den E-Liquids für weniger gefährlich als die Verbrennungsprodukte des Tabakrauchs. Gegner weisen darauf hin, dass die Nikotinsucht nicht besiegt wird und die langfristigen Risiken der E-Zigaretten noch nicht bekannt seien. Beide Seiten dürften sich durch die Ergebnisse der randomisierten Studie bestätigt fühlen, die das britische National Institute for Health Research und die Stiftung Cancer Research UK durchgeführt haben.

Insgesamt 886 Raucher, die sich mit der Motivation zur Abstinenz an eine der Rauchstoppkliniken („stop smoking services“) des Nationalen Gesundheitsdienstes gewandt hatten, wurden auf 2 Gruppen verteilt. Eine Gruppe erhielt nach einer persönlichen Beratung ein Starterpaket mit E-Zigarette und einem ersten Liquid (18 mg Nikotin). Später sollten sie sich weitere Liquids nach dem Geschmack ihrer Wahl im Laden auf eigene Kosten besorgen.

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Den Teilnehmern der zweiten Gruppe wurde nach derselben persönlichen Beratung eine konventionelle Nikotinersatztherapie angeboten, wobei die Teilnehmer frei zwischen den verschiedenen Applikationsformen (Pflaster, Kaugummi, Lutschtablette, Nasenspray, Inhalator, Mundstreifen und Mikrotabs) wählen konnten. Sie wurden zudem ermutigt, verschiedene Kombinationen auszuprobieren. Die Nikotinersatzprodukte wurden für die ersten 3 Monate kostenlos zur Verfügung gestellt.

Alle Teilnehmer wurden gebeten, über mindestens 4 Wochen an wöchentlichen unterstützenden Therapiesitzungen teilzunehmen. Sie waren im Durchschnitt 41 Jahre alt und hatten zuvor im Mittel 15 Zigaretten am Tag geraucht. Im Fagerströmtest zur Zigarettenabhängigkeit erzielten sie im Durchschnitt 4,6 Punkte, was eine mittlere Abhängigkeit kennzeichnet. Der Score reicht von 0 (geringe Abhängigkeit) bis 10 Punkte (sehr starke Abhängigkeit).

Primärer Endpunkt der Studie war die Tabakabstinenz nach Angaben der Teilnehmer nach 52 Wochen, die durch Atemtest (weniger als 8 ppm Kohlenmonoxid) überprüft wurde. Dieses Ziel erreichten mit E-Zigaretten 79 von 438 Teilnehmern (18,0 %) gegenüber nur 44 von 446 Teilnehmern (9,9 %), denen Nikotinersatzprodukte verordnet worden waren. Peter Hajek von der Queen Mary University of London und Mitarbeiter ermitteln ein „relatives Risiko“ für eine erfolgreiche Abstinenz von 1,83, das mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,30–2,58 statistisch signifikant war. Die Differenz von 8,1 Prozentpunkten ergibt eine Number Needed to Treat von 12 (827) Personen, was eine hohe praktische Relevanz des Studienergebnisses anzeigt.

Nikotinsucht nicht überwunden

Hinsichtlich der Nikotinabstinenz sehen die Ergebnisse anders aus: Von den 79 Teilnehmern der E-Zigaretten-Gruppe, die es geschafft hatten, auf Tabakzigaretten zu verzichten, waren 63 (80 %) nach einem Jahr noch regelmäßige Konsumenten von E-Zigaretten. Von den Teilnehmern, die Nikotinersatzprodukte erhalten hatten, setzten nur noch 4 der 44 (9 %) weiterhin Nikotinersatzprodukte ein. Dies bedeutet, dass 40 von 446 Teilnehmer (9 %) mit den Nikotinersatzprodukten ihre Nikotinsucht (zumindest vorerst) überwunden hatten gegenüber nur 16 von 438 Teilnehmer in der E-Zigaretten-Gruppe (3,7 %).

Auch in der Verträglichkeit unterschieden sich E-Zigaretten von Nikotinersatzprodukten. In der E-Zigaretten-Gruppe kam es häufiger zu Hals- oder Mundreizungen (65,3 % vs. 51,2 % in der Nikotinersatzgruppe). In der Nikotinersatzgruppe klagten die Teilnehmer öfter über Übelkeit (37,9 % vs. 31,3 %). Die Konsumenten der E-Zigaretten berichteten nach einem Jahr seltener über Husten (30,8 % vs. 39,8 % in der Nikotinersatzgruppe) oder über eine vermehrte Schleimproduktion (25,1 % vs. 36,9 %).

E-Zigaretten und Nikotinersatzprodukte wurden von beiden Gruppen als weniger befriedigend empfunden als die Tabakzigaretten. Die Teilnehmer der E-Zigaretten-Gruppe waren jedoch insgesamt zufriedener mit dem Ersatzprodukt. Der Umstieg auf die E-Zigaretten führte in den ersten Wochen auch seltener zu einem Anstieg von Reizbarkeit, Unruhe oder Konzentrationsstörungen.

DOI: 10.3238/PersPneumo.2019.02.15.007

Rüdiger Meyer

Quelle: Hajek P, Phillips-Waller A, Przulj A, et al.: A Randomized Trial of E-Cigarettes versus Nicotine-Replacement Therapy. N Engl J Med 2019. DOI: 10.1056/NEJMoa1808779.

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