ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019Medizingeschichte: Zweite Staffel der Serie „Charité“ startet am 19. Februar

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Medizingeschichte: Zweite Staffel der Serie „Charité“ startet am 19. Februar

Dtsch Arztebl 2019; 116(7): A-325

Kahl, Kristin

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Die zweite Staffel der Serie „Charité“ begleitet die neuen Protagonisten in den Kriegsjahren von 1943 bis 1945. Foto: ARD/UFA/Julie Vrabelova/Artwork Maria Jülisch
Die zweite Staffel der Serie „Charité“ begleitet die neuen Protagonisten in den Kriegsjahren von 1943 bis 1945. Foto: ARD/UFA/Julie Vrabelova/Artwork Maria Jülisch

Zwei Jahre nach der ersten Staffel der Fernsehserie „Charité“ folgt ab dem 19. Februar die Ausstrahlung der zweiten Staffel, die dieses Mal in der Zeit des Nationalsozialismus angesiedelt ist. Vor dem Hintergrund der historischen Ereignisse behandelt die Serie zentrale Fragen des menschlichen Lebens sowie die Verstrickungen der Ärzteschaft mit dem Naziregime. Denn mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 begann auch in der Medizin ein dunkles Kapitel – viele Ärztinnen und Ärzte wurden Aushängeschilder des Nationalsozialismus und gingen Kollaborationsverhältnisse mit den Machthabern ein.

„Wir sind überzeugt, dass der Alltag der Medizin während des Nationalsozialismus einem breiten Publikum unbekannt ist. Man muss keine Gräuel darstellen, um zu verdeutlichen, wie sich eine menschenverachtende Ideologie schleichend in den Köpfen und Herzen von Medizinern ausbreiten kann, die sich eigentlich dem hippokratischen Eid verpflichtet fühlen sollten“, sagen die Drehbuchautorinnen Dorothee Schön und Dr. med. Sabine Thor-Wiedemann.

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Veranschaulicht wird dies an den teils fiktiven, teils historisch angelehnten Figuren. Im Mittelpunkt des Geschehens steht Anni Waldhausen, Medizinstudentin und Anhängerin der Rassenideologie der Nazis. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem renommierten Kinderarzt Artur Waldhausen, erwartet sie ihr erstes Kind. Erst mit der Erkrankung ihrer neugeborenen Tochter beginnt das Paar, seine Einstellung und sein ärztliches Handeln zu hinterfragen.

Auch das Beispiel des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch, der als Protagonist mit historischem Bezug auftritt, zeigt die Widersprüchlichkeit vieler Mediziner. Seinen bahnbrechenden Erkenntnissen stehen seine Verstrickungen mit dem Regime gegenüber. Gestützt wird die Darstellung durch Aufzeichnungen aus dem Kliniktagebuch von Adolphe Jung, der als Oberarzt unter Sauerbruch arbeitete. In „Charité II“ müssen alle Figuren – Sauerbruch eingeschlossen – den Widerspruch zwischen medizinischem Ethos und ideologischen Zumutungen aushalten und sich schließlich zwischen Anpassung und Auflehnung entscheiden.

Dass die zweite Staffel nicht zeitlich an die erste anknüpft, war laut Schön und Thor-Wiedemann von Anfang an geplant. Zum einen, da die Charaktere der ersten Staffel zum Serienende getrennter Wege gingen. Zum anderen wollten die Macherinnen den Fokus nicht allein auf die Figuren, sondern die Charité als Institution legen.

Lob erfährt die Serie auch durch Prof. Dr. med. Karl Max Einhäupl, Vorstandsvorsitzender der Charité Universitätsmedizin Berlin: „Dass es eine zweite Staffel ̦Charitéʻ gibt, ist auch der großartigen Aufarbeitung der Geschichte im 19. Jahrhundert und den hohen Einschaltquoten der ersten Staffel und somit dem großen Interesse der Zuschauer zu verdanken.“

In Ergänzung zur Fernsehserie gibt eine multimediale Reportage anhand von Interviews mit den Mitwirkenden Einblick in die Hintergründe der Dreharbeiten. Wissenschaftliche Grundlagen zur Serie bietet zudem das Buch „Die Charité im Dritten Reich“ von Sabine Schleiermacher und Udo Schagen, das in einer Neuauflage erschienen und kostenfrei über Open Access verfügbar ist. kk

https://charite.zeit-archiv.de/

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