ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019Organspende: Unzureichende Aufklärung

BRIEFE

Organspende: Unzureichende Aufklärung

Dtsch Arztebl 2019; 116(7): A-327 / B-266 / C-266

Fischer, Georg

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die TAZ-Redaktion ist offensichtlich anderer Ansicht als die -Chefredaktion und Minister Spahn. Die Kulturwissenschaftlerin Anna Bergmann weist auch meiner Meinung nach zu Recht darauf hin, dass der sogenannte Hirntod nicht mit dem gesamten Sterben des Leib-/Geist-Wesens Mensch gleichgesetzt werden darf. Vielleicht ahnen das „die Menschen“, wenn Sie die karitative Geste eines „Organgeschenks“ grundsätzlich begrüßen, zugleich letztlich davor zurückschrecken. Das Sterben muss ja für erfolgreiche Organentnahme tatsächlich in Tod des Gehirns und den (späteren) des „Restkörpers“ aufgespalten werden. Wie der Abschied des Hirntoten von diesem „erlebt“ wird, mag bei naturwissenschaftlichem Denken belanglos sein, für den Abschied der Angehörigen vom Sterbenden beziehungsweise einen natürlichen Sterbeprozess aber keineswegs. Solange bei der Aufklärung der potenziellen Spender nicht auch über diesen Aspekt freimütig aufgeklärt wird, bleibt der latente Ruch des „Organbankgeschäfts“ trotz aller Bemühungen um Steigerung der Spenderzahlen. Meine Frau wurde übrigens in meinem Beisein von einem sorgfältigen Mitarbeiter der Deutschen Stiftung Patientenschutz anlässlich von Beratung für Patientenverfügungen über die Realität des Spendeprozederes aufgeklärt, und ich habe verstanden, warum sie mich daraufhin gedrängt hat, meinen Organspendeausweis zu entsorgen ...

Mich als Arzt „an der Basis“ bewegt aber zudem ein weiterer Aspekt zum Thema:

Die Transplantationsmedizin ist populär (bis es unter die eigene Haut geht), und weder Politik noch Versicherungen (und schon gar nicht die enthusiastisch operierenden Spezialisten) würden diesen „Fortschritt der Medizin“ auch nur ansatzweise infrage (zu) stellen (wagen), obwohl die Schicksale von Organempfängerpatienten im Längsschnitt quantitativ und vor allem qualitativ völlig unzureichend kommuniziert werden und die Kostenfrage angesichts schon seit Langem tobender Verteilungskämpfe zwischen „Spitzenmedizin“ und „Versorgung in der Fläche“ sogar schon zu (mehr oder weniger heimlicher und – horribile dictu) Priorisierung Anlass gibt.

Anzeige

Dr. med. Georg Fischer, 80638 München

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema