ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019KI in der Augenheilkunde: Ein Schatz – nur für den Augenarzt
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Der Artikel beschreibt einen Einsatz der Algorithmen zur Anwendung von OCT-Bildern und Fotos des Augenhintergrundes für die Diagnostik diabetischer Retinopathie, der altersabhängigen Makula-degeneration und Netzhautveränderungen nach Thrombosen am Augenhintergrund. In der Hand eines Augenarztes ist diese Diagnostik vermutlich ein „wahrer Schatz“. … Da das Deutsche Ärzteblatt aber überwiegend Ärzte anderer Fachrichtungen lesen und daher leicht die Sehnsucht aufkommt, den Augenarzt insbesondere für das Screening diabetischer Retinopathien durch Apparate zu ersetzen, möchte ich davor ausdrücklich warnen. … Die Algorithmen können nur so gut sein wie die Daten, mit denen man sie speist und die Geräte, mit denen die Patienten-diagnostik gemacht wird (OCT, zentrales Foto des Augenhintergrundes). Ein nicht zu vernachlässigender Teil der diabetischen Retinopathien beginnt aber nicht mit einem Makulaödem. Teilweise sind periphere Durchblutungsstörungen, die nicht sofort zu einer Minderung der Sehschärfe führen, ein erstes Anzeichen einer diabetischen Retinopathie. Diese müssen auch rechtzeitig erkannt und behandelt werden. … Für die Untersuchung der peripheren Netzhautanteile ist eine vollständige Untersuchung des Augenhintergrundes und meist auch eine Fluoreszenzangiografie erforderlich. Man sollte sich bei allem Respekt vor dem aktuellen technischen Fortschritt davor hüten, allein die Makuladiagnostik für das Screening einer diabetischen Retinopathie anzuwenden! Gerade in unserer technikaffinen Zeit und dem enormen Fortschritt der künstlichen Intelligenz müssen wir aufpassen, dass uns die Diagnostik nicht entgleitet und verselbstständigt. Durch die Anwendung dieser Geräte durch nichtaugenärztlich-fachfremdes Personal wie in internistischen Praxen oder bei Optikern kann sich der Patient in falscher Sicherheit wiegen.

Wir dürfen nicht die Erkrankungen „diabetische Retinopathie“ und „diabetische Makulopathie“ verwechseln. Ein tolles Screeninggerät für die diabetische Makulopathie kann nicht unbedingt eine diabetische Retinopathie ausschließen, da hier oft eine invasive Fluoreszenzangiografie notwendig ist.

Zweifelsohne wäre das Problem der Patientencompliance mit dem Einsatz dieser Geräte auch in internistischen Praxen und bei Optikern deutlich verbessert. Aber das Screening wäre sehr unvollständig. Vergleichbar wäre es zum Beispiel mit einem Rheumascreening, bei dem mit hervorragender Technik nur der Fuß untersucht wird.

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Dr. med. Synke Meltendorf, 39120 Magdeburg

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