ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019HIV-Präexpositionsprophylaxe: Homosexuelle Männer in Deutschland haben noch keinen optimalen Zugang

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

HIV-Präexpositionsprophylaxe: Homosexuelle Männer in Deutschland haben noch keinen optimalen Zugang

Dtsch Arztebl 2019; 116(7): A-322 / B-265 / C-265

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Foto: WavebreakmediaMicro/stock.adobe.com
Foto: WavebreakmediaMicro/stock.adobe.com

Mit zunehmender Verbreitung der HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) reduziert sich in internationalen Metropolen die HIV-Inzidenz unter Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Wie der Kenntnisstand über PrEP unter MSM einer deutschen Großstadt ist, welche Einstellung die Männer zu PrEP haben und wie sie die Prophylaxe nutzen, war Fragestellung einer Studie in Berlin.

Dazu erhielten 4 HIV-Test- und Beratungsstellen und 6 HIV-Schwerpunktpraxen Studienfragebögen im Zeitraum von Oktober 2017 bis April 2018. Adressaten waren erwachsene MSM bei negativem oder unbekanntem HIV-Status.

90,0 % der 473 Männer, die die Fragen komplett beantwortet hatten, wussten von PrEP, aber nur 48,2 % fühlten sich gut informiert. 17,2 % gaben an, PrEP zu nutzen oder genutzt zu haben. 59,3 % dieser Gruppe hatten die PrEP zumindest zum Teil über informelle Quellen bezogen, nur 32,1 % gaben die ärztliche Verordnung als einzige Quelle an. Angewendet wurden zu 35, 8 % importierte Medikamente, zu 18,5 % Medikamente, die ursprünglich als Postexpositionsprophylaxe verordnet wurden, und zu 11,1 % HIV-Medikamente von Freunden. Von denen, die PrEP nicht nutzten, gaben 23,7 % an, in den vergangenen 6 Monaten kondomlosen Analverkehr mit 2 oder mehr Partnern gehabt zu haben, und 42,4 % wollten PrEP gerne nehmen. Sorgen vor Nebenwirkungen, Kosten, der Erhalt einer ärztlichen Verordnung und Informationsmangel waren die am häufigsten genannten Barrieren.

Fazit: Es gebe eine erhebliche Lücke zwischen der Indikation für PrEP und der tatsächlichen, relativ geringen Nutzung, folgert das Forscherteam der Charité Berlin. Auch der hohe Anteil der ärztlich unbegleiteten PrEP sei besorgniserregend. Eine unsachgemäße Einnahme berge individuelle, aber auch Public-Health-bezogene Risiken. Vor dem Hintergrund der in einigen Ländern mit PrEP erreichten Erfolge in der HIV-Prävention belegten die Daten, wie dringlich eine Verbesserung des Zugangs zur PrEP in Deutschland sei.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Werner RN, Gaskins M, Ahrens J. et al.: Knowledge and use of HIV pre-exposure prophylaxis among men who have sex with men in Berlin – A multicentre, cross-sectional survey. PLoS ONE 2018; 13: e0204067. doi: 10.1371/journal.pone.0204067. eCollection 2018.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Themen: