ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019Bildgebende Diagnostik bei tätowierten Patienten: Nebenwirkungen im Bereich der Tattoos sind bei Magnetresonanztomografie selten

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Bildgebende Diagnostik bei tätowierten Patienten: Nebenwirkungen im Bereich der Tattoos sind bei Magnetresonanztomografie selten

Dtsch Arztebl 2019; 116(7): A-322 / B-265 / C-265

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Rawpixel/iStock
Foto: Rawpixel/iStock

In vielen westlichen Ländern nimmt der Trend zu Tätowierung zu. In Deutschland hat circa jeder 8. ein Tattoo. Seit Längerem wird diskutiert, ob MRT-Untersuchungen im Bereich der Tattoos Nebenwirkungen hervorrufen können. So gibt es Kasuistiken, bei denen MRT-Untersuchte über ein Gefühl des Ziehens der Haut im tätowierten Bereich berichteten oder über Erwärmung. In Einzelfällen kam es zu Verbrennungen. Andererseits werden jährlich Millionen Menschen mit Tattoos in Kliniken und in Forschungseinrichtungen ohne Komplikationen MRT-gescannt.

Ein Team am University College London Wellcome Centre for Human Biology hat in einer prospektiven Studie untersucht, ob Probanden, die an einer Neuroimaging-Studie teilnahmen, Nebenwirkungen durch MRT-Untersuchungen hatten, wenn sie tätowiert waren. Einschlusskriterien waren, dass nicht mehr als 5 % der Haut mit Tattoos bedeckt sein durfte und die Tattoos sich in der Länge nicht über mehr als 20 cm ausdehnen durften, um potenzielle Verbrennungen zu vermeiden. Es wurde gefragt, was über die Tattoo-Farben bekannt war, und wann und wo die Tätowierungen erfolgt waren. Vor allem ältere Tattoofarben können magnetisch aktive Bestandteile wie Eisen enthalten, die vom Magnetfeld beeinflusst werden.

330 Probanden mit insgesamt 932 Tattoos wurden vor und nach MRT-Scans (585 Scans mit 3-Tesla-Geräten) untersucht. Es traten keine Nebenwirkungen auf bis auf einen Fall, in dem der Studienarzt feststellte, dass ein Prickeln auf der Haut des Probanden mit der MRT-Untersuchung zusammenhing. Das unangenehme Gefühl war innerhalb von 24 Stunden ohne ärztliche Behandlung verschwunden. Die Wahrscheinlichkeit für Nebenwirkungen durch Tattoos wurde mit 0,17 % berechnet und mit maximal 0,30 % bei mehrfachen MRT-Untersuchungen desselben Patienten.

Fazit: MRT-spezifische Nebenwirkungen im Bereich von Tätowierungen seien selten, aber nicht ausgeschlossen, so die Autoren. Die Tattoo-Fläche war in dieser Studie begrenzt. Es sollte eine individuelle Nutzen-Risiko-Abschätzung erfolgen. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Callaghan M, Negus C, Leff AP, et al.: Safety of tattoos in persons undergoing MRI. N Engl J Med 2019; DOI: 10.1056/NEJMc1811197.

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