ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2019Eigenfettbehandlung: Ärztliche Therapiefreiheit
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Laut Zusammenfassung von Sanzenbacher und Frech haben alle Einrichtungen, die im Zusammenhang mit Gewebe zum Zwecke der Übertragung tätig werden, zum Beispiel Gewebe entnehmen, aufbereiten, be- oder verarbeiten dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) jährlich einen Bericht mit Angabe zu Art und Menge dieser Gewebe zu übermitteln. Nach deren Auffassung besteht für das autologe Eigenfettgewebe in der Regel eine Meldepflicht.

Diese Aussage ist für uns nicht verständlich, da nach § 1 Abs. 3 Nr. 1 Transplantationsgesetz die Ausnahme der Meldepflicht besteht, wenn die Rückübertragung auf denselben Patienten (= autolog) in ein und demselben Eingriff und ohne Änderung ihrer stofflichen Beschaffenheit erfolgt.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat klar formuliert, welche Verfahren (1394/2007, vgl. Anhang I zu 1394/2007) dies sind. Darunter fallen laut EMA Bearbeitungen wie Spülen, Schneiden, Zerreiben, Zentrifugieren, Separieren, Konzentrieren, Reinigen oder Filtern. Dies ist bei der autologen Fetttransplantation, wird sie so wie in der AWMF 009-017 dokumentiert, entsprechend durchgeführt, eindeutig der Fall.

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Wie Prof. Prantl klar darstellt, sind beim Eigenfett, wenn es mit den üblichen Verfahren entnommen und aufbereitet wird, die Gesetzesforderungen erfüllt. Es handelt sich hierbei um Verfahren, die seit Jahrzehnten in der Medizin erfolgreich angewendet werden und dazu dienen, das Gewebe situationsgerecht, also in das Empfängerareal angepasst einzubringen.

Worin besteht der Unterschied, ob Bindegewebe oder Kapillaren schon beim unstreitig unproblematischen Entnahmeschritt oder erst bei weiterer Fraktionierung und Aufarbeitung mit den einfachen chirurgischen Verfahren verändert wird?

Es stellt sich vielmehr die Frage, ob wir nun sämtliche lang bewährte chirurgische Verfahren an das PEI melden müssen? Unterscheidet sich hier die deutsche Gesetzgebung laut PEI von der europäischen? Bei vielen operativen Behandlungen, u. a. auch bei der brusterhaltenden Therapie, werden zur Volumendefektdeckung nach Tumorresektion, Gewebelappenplastiken gebildet (onkoplastisches Operationsverfahren). Hierbei wird das Gewebe aus dem originären Gewebeverband entnommen, geschnitten und geformt, wobei auch Kapillar- und Bindegewebestrukturen durchtrennt und zerstört und Einzelzellen sowie Gewebepartikel aus dem Verband gelöst werden.

Es kann nicht die Intention des Gesetzgebers sein, diese seit Jahrzehnten bewährten und weltweit eingesetzten Verfahren zu unterbinden.

Dr. med. Daniela Rezek, 46483 Wesel,

Prof. Dr. med. Christine Solbach, 60590 Frankfurt,
Dr. med. Mario Marx, 01445 Radebeul

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