ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Haut und Psyche: Ekzeme können Suizidgedanken auslösen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Haut und Psyche: Ekzeme können Suizidgedanken auslösen

Dtsch Arztebl 2019; 116(8): A-374 / B-309 / C-305

Meyer, Rüdiger

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Foto: mykolasamoilenk/stock.adobe.com
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Eine atopische Dermatitis wird als Stigma empfunden, was laut einer aktuellen Metaanalyse sogar zu einer erhöhten Suizidalität führen kann (1). Nach epidemiologischen Untersuchungen sind nicht nur Kinder von einer atopischen Dermatitis betroffen, sondern auch 2 bis 3 % der Erwachsenen. Für sie sind die ständigen Hautentzündungen, der Juckreiz und die damit verbundenen Schlafstörungen eine große psychosoziale Belastung, schreibt April Armstrong von der Keck School of Medicine in Los Angeles.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Kinder mit Neurodermitis häufiger schlechte Schulnoten haben, was die Karrierechancen beeinträchtigen kann. Erwachsene haben häufig Schwierigkeiten bei der Jobsuche, da Arbeitgeber Mitarbeiter mit einer „gesunden“ Haut bevorzugen. Frühere Studien haben gezeigt, dass Menschen mit atopischer Dermatitis häufiger unter Depressionen und Angstzuständen leiden und die Erkrankung das Sozialleben beeinträchtigt.

Armstrong hat jetzt die Ergebnisse von 15 Studien zusammengefasst, die die Suizidalität von Erwachsenen und teilweise auch Kindern untersucht haben. Die meisten kamen zu dem Ergebnis, dass Patienten mit atopischer Dermatitis signifikant häufiger als andere Menschen Suizidgedanken haben (gepoolte Odds Ratio [OR]: 1,44; 95-%-Konfidenzintervall [KI]: 1,25–1,65). Die Zahl der Patienten, die bereits einmal einen Suizidversuch unternommen haben, war ebenfalls erhöht (OR 1,36; 1,09–1,70). Armstrong geht von mehr vollendeten Suiziden aus, obwohl dazu keine Studien vorliegen.

Fazit: Armstrong rät den Dermatologen, die Patienten auf ihre psychische Befindlichkeit anzusprechen. Ein geeignetes Instrument sei der Gesundheitsfragebogen für Patienten (PHQ-2), in dem die Patienten angeben, wie oft sie in den letzten beiden Wochen „wenig Interesse oder Freude an Ihren Tätigkeiten“ hatten, oder wie häufig sie unter „Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit“ litten. Bei Hinweis auf eine Depression sollten die Ärzte die Patienten direkt darauf ansprechen und sie eventuell zu einem Psychiater überweisen. Rüdiger Meyer

Sandhu JK, Wu KK, Bui T-L, et al.: Association Between Atopic Dermatitis and SuicidalityA Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Dermatol (online) 12 Dez 2018 doi:10.1001/jamadermatol.2018.4566.

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