ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Schuppenflechte: Schwere Infektionen unter Infliximab häufiger als unter Therapie ohne Biologika

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Schuppenflechte: Schwere Infektionen unter Infliximab häufiger als unter Therapie ohne Biologika

Dtsch Arztebl 2019; 116(8): A-374 / B-309 / C-305

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: Science Photo Library/EYE OF SCIENCE
Foto: Science Photo Library/EYE OF SCIENCE

Beim Einsatz von Infliximab zur Therapie einer Psoriasis ist im Vergleich zu systemischen immunsuppressiven Therapien, die nicht zu den Biologika zählen, mit einem erhöhten Risiko schwerwiegender Infektionen zu rechnen. Dies geht aus einer Auswertung des Biologika-Interventionsregisters der Britischen Dermatologenvereinigung (BADBIR) hervor (1).

In Deutschland sind etwa 2 Millionen Menschen von Psoriasis betroffen (Prävalenz von 2–3 Prozent). Infliximab ist ein monoklonaler IgG1-Antikörper, der den Tumor-Nekrosefaktor TNF-a mit hoher Spezifität bindet und neutralisiert. Dadurch soll die epidermale Entzündung eingedämmt und die Normalisierung der Keratinozyten in den psoriatischen Hautläsionen befördert werden. Infliximab erweitert seit Langem neben anderen Biologika das Therapiespektrum bei Psoriasis. Es ist seit 20 Jahren zugelassen, die Biosimilars wurden 2015 freigegeben.

Die prospektive Kohorten-Studie des Britischen Registers hat 3 843 Patienten für eine Analyse eingeschlossen. Infektionen sind ein Hauptgrund für den Therapieabbruch. Hier wurde die Inzidenz besonders schwerwiegender Infektionen erhoben – solche, die eine Klinikeinweisung oder Antibiotika erforderten oder die letal endeten. Verglichen wurde mit systemischen Therapien, die keine Biologika enthielten (Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin, Fumarsäureester, Psoralen-UVA/PUVA oder Hydroxycarbamid/Hydroxyurea).

In der Infliximab-Kohorte war das Risiko für schwere Infektionen im Vergleich zu herkömmlichen Therapien ohne Biologika verdoppelt (47,8 versus 14,2 je 1 000 Personenjahre; adjustierte Hazard-Ratio 1,95). Vor allem innerhalb der ersten 6 Monate der Therapie vervielfachte sich das Risiko unter Infliximab (aHR 3,49). Im Vergleich zu Methotrexat allein war es verdreifacht (aHR 2,96).

Fazit: Es handelt sich um den umfangreichsten Inzidenz-Report von Psoriasis-Patienten unter Infliximab. Zudem wurde die Auswertung komplett Hersteller-unabhängig vorgenommen. Die Autoren erwähnen, dass andere Biologika wie Etanercept, Adalimumab und Ustekinumab laut den BADBIR-Daten keine Risikoerhöhung für schwere Infektionen aufwiesen. Laut Daten aus der Versorgungsforschung wurde bisher am häufigsten Adalimumab eingesetzt (43,8 %), gefolgt von Ustekinumab (26,8 %), Etanercept (21,9 %), Infliximab und sonstigen (zusammen 7,6 %). Patienten, bei denen Infliximab indiziert sei, sollten über das erhöhte Infektionsrisiko aufgeklärt werden, so die Autoren.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

Yiu ZZN, Ashcroft DM, Evans I, et al.: Infliximab is associated with an increased risk of serious infection in patients with psoriasis in the U.K. and Republic of Ireland: results from the British Association of Dermatologists Biologic Interventions Register (BADBIR).Br J Dermatol 2019;180:257-8.

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