ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Gesundheitsökonom: Mindestens 60 000 Krankenhausbetten sind überflüssig

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Gesundheitsökonom: Mindestens 60 000 Krankenhausbetten sind überflüssig

Dtsch Arztebl 2019; 116(8): A-339 / B-279 / C-279

Osterloh, Falk

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Eine große Strukturreform des stationären Sektors sei überfällig, meint Gesundheitsökonom Mansky. Foto: picture alliance
Eine große Strukturreform des stationären Sektors sei überfällig, meint Gesundheitsökonom Mansky. Foto: picture alliance

Der Berliner Gesundheitsökonom Prof. Dr. med. Thomas Mansky hat eine „große Strukturreform“ des stationären Sektors mit einer damit einhergehenden Zentralisierung der Versorgung gefordert. Eine solche Maßnahme sei mitnichten ein Sozialabbau, so wie es von Lobbygruppen und Teilen der Medien oft kolportiert werde, sondern eine Maßnahme zur Verbesserung der Versorgungsqualität, betonte der ehemalige Professor an der Technischen Universität (TU) Berlin Mitte Februar auf dem Spreestadt-Forum der TU in Berlin.

Heute gebe es in Ballungszentren insbesondere kleine Krankenhäuser, die aus medizinischer Sicht nicht benötigt würden. So könne es passieren, dass ein Patient mit einem Herzinfarkt vom Rettungsdienst in ein Krankenhaus gefahren werde, das über keinen Linksherzkatheter-Platz verfüge. Dabei sei unbestritten, dass die Mortalität von Herzinfarktpatienten in solchen Krankenhäusern höher sei als in Häusern mit einem Linksherzkatheter-Platz. Ebenso unbestritten sei, dass in Ballungszentren immer auch Krankenhäuser mit einem Linksherzkatheter-Platz in Reichweite des Rettungsdienstes liegen. Dass eine solche Situation heute noch existiere, sei „absurd“.

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Mansky befürwortete eine Schließung von kleinen, nicht spezialisierten Krankenhäusern in Ballungsregionen. Es könnten 60 000 Betten abgebaut werden, meinte er. Und das sei noch eine konservative Schätzung. Leider seien Krankenhausschließungen in Deutschland aber sehr unpopulär. fos

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Avatar #673989
wälti
am Montag, 11. März 2019, 08:14

Die Realität sieht anders aus.

In Heft 8 zitieren Sie Prof. Mansky von der TU Berlin, dass 60000 Betten abgebaut werden könnten.
Diese Berechnungen am grünen Tisch, wie sie auch von Politikern und Klassenvertretern gerne unters Volk gebracht werden, kontrastieren eklatant mit den Beobachtungen der im System Tätigen. Mehrfach im Jahr gibt es Engpässe bei der Aufnahme von Notfallpatienten, weil einfach keine freien Betten mehr in den Kliniken vorhanden sind. So hat gerade vor einem Monat der ärztliche Leiter Rettungsdienst in Düsseldorf die überfüllten Kliniken zur Notaufnahme verpflichtet. Die wellenweise eingelieferten meist alten Patienten mit Norovirus- oder pulmonalen Erkrankungen können dann nur unzureichend versorgt schnell wieder entlassen werden, was zu Recht Proteste bei Angehörigen und niedergelassenen Ärzten hervorruft. Vielleicht ist es ja richtig, dass diese Patienten auch in den Betten ihrer Plfegeeinrichtungen ohne Klinikeinweisung behandelt werden könnten. Aber dafür fehlt die Infrastuktur sowohl pflegerisch als auch ärztlich. Eine ganzheitlich gesundheitspolitische Betrachtung vermisse ich bei all diesen Kurznotizen. Gesundheitsoekonmen wie Mansky können ja gut rechnen. Hoffentlich steht hinter der Forderung nach massivem Bettenbau nicht die Berechnung des sozialverträglichen Ablebens, wie es ein früherer Kammerpräsident einmal zynisch formuliert hat? Das wäre ziemlich perfide.
Dr. med. Walter Linde
40822 Mettmann

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