ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Faziale Angiofibrome bei Tuberöser Sklerose: Topische Therapie mit mTOR-Inhibitor Rapamycin verkleinert Fibrome und ist sicher

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Faziale Angiofibrome bei Tuberöser Sklerose: Topische Therapie mit mTOR-Inhibitor Rapamycin verkleinert Fibrome und ist sicher

Dtsch Arztebl 2019; 116(8): A-372 / B-306 / C-303

Gerste, Ronald D.

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Foto: CC BY-SA 3.0
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Der Tuberöse Sklerose Complex (TSC) ist eine autosomal-dominant vererbte Erkrankung, die zu einer Dysregulation des Rapamycin-Signalwegs mTOR führt. Die Symptome dieser Phakomatose sind vielfältig und können sich an Niere, Lunge, Herz und Gehirn manifestieren. Auch die Haut ist oft beteiligt: Angiofibrome im Gesicht treten bei circa 3 von 4 Betroffenen auf. Von Rapamycin, einem oralen mTOR-Inhibitor, wurde ein partielles Ansprechen von Hautläsionen beschrieben. Die Einnahme von mTOR-Inhibitoren ist jedoch mit verschiedenen potenziellen Nebenwirkungen assoziiert und für die Anwendung in der Dermatologie nicht zugelassen. Andere Behandlungsansätze der Hautläsionen wie Dermabrasio, Laser- und Kryotherapie können schmerzhaft sein, Narben hinterlassen und schützen nicht vor der Neubildung der für TSC typischen Angiofibrome.

Eine australisch-amerikanische Arbeitsgruppe hat nun Daten einer randomisierten, doppel-verblindeten Studie an 179 Patienten mit TSC-abhängigen fazialen Angiofibromen publiziert, bei denen eine topische Rapamycin-Therapie getestet wurde. 59 Patienten applizierten vor dem Zubettgehen eine 1%-ige Rapamycinsalbe, 63 Patienten trugen die Formulierung in 0,1%-iger Konzentration auf und bei 57 Studienteilnehmern kam lediglich die Trägersubstanz ohne Rapamycin zum Einsatz.

Die Patienten waren im Durchschnitt 20,5 Jahre alt. Entscheidender Parameter des Therapieerfolges waren Veränderungen auf der Angiofibroma Grading Scale (AGS), eine etwaige Befundbesserung wurde von verblindeten Untersuchern beim Vergleich von Fotos vorgenommen, die bei Baseline sowie bei Ende der Behandlungsphase bewertet wurden.

Nach 6 Monaten unter dieser topischen Behandlung verzeichneten die mit der 1%-igen Formulierung therapierten Patienten eine Verbesserung des AGS um 16,7 Punkte im Vergleich zu 11,0 Punkten bei 0,1-%-Konzentration und zu 2,1 Punkten in der Kontrollgruppe. Bei Vergleich der Fotos wurden von den Experten Verbesserungen gegenüber dem Ausgangsbefund in 81,8 % (1 % Rapamycin), 65,5 % (0,1 % Rapamycin) und 25,5 % (Kontrollgruppe) festgestellt. Die Verträglichkeit der topischen Medikation wird als gut und ohne messbare systemische Absorption beschrieben. An Nebenwirkungen traten bei 10 % in der Rapamycin-1-%-Gruppe Schmerz und bei 8,5 % Pruritus an der Applikationsstelle auf. Bei der um eine Zehnerpotenz schwächeren Formulierung kam es zu diesen Symptomen in 3,2 % und in 0 %.

Fazit: „Diese Studie belegt, dass die topische Anwendung von Rapamycin bei Patienten mit tuberöser Sklerose binnen 6 Monaten zu einer Verkleinerung der Angiofibrome führen kann,“ erläutert Prof. Dr. med. Detlef Zillikens, Direktor der Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck. „Die Ergebnisse ermutigen deshalb zu weiteren Studien mit längeren Nachbeobachtungszeiten.“ Dr. med. Ronald D. Gerste

Koenig MK, Bell CS, Hebert, AA, et al.: Efficacy and safety of topical rapamycin in patients with facial angiofibromas secondary to tuberous sclerosis complex. The TREATMENT randomized clinical trial. JAMA Dermatol 2018; 154:773–80.

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