ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Hauttumoren nach Organtransplantation: HLA-Mismatches senken das Hautkrebsrisiko bei Herz- und Lungenempfängern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hauttumoren nach Organtransplantation: HLA-Mismatches senken das Hautkrebsrisiko bei Herz- und Lungenempfängern

Dtsch Arztebl 2019; 116(8): A-372 / B-306 / C-303

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi
Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi

Krebsinzidenz und -sterblichkeit sind bei Organempfängern erhöht. Je besser Spender und Empfänger solider Organe in HLA-A, -B und -DR-Merkmalen übereinstimmen, desto höher sind im Allgemeinen die Langzeitüberlebensraten der übertragenen Organe und der Patienten (1). Die Bedeutung von HLA-Matches für den Langzeiterfolg der Transplantation ist aber für verschiedene Organe unterschiedlich und die Studiendaten widersprechen sich teilweise. Eine große, retrospektive Kohortenstudie hat die Frage der HLA-Kompatibilität unter dem Aspekt des Hautkrebsrisikos untersucht (2).

Analysiert wurden die Daten von 10 649 Empfängern eines soliden Organs aus dem Transplant Skin Cancer Network US-amerikanischer Transplantationszentren. Es wurden – in der Reihenfolge der Häufigkeit – Nieren, Lebern, Lungen, Herzen und Bauchspeicheldrüsen übertragen, und von Januar bis Dezember 2003 und Januar bis Dezember 2008. So war ein Follow-up von 5 und 10 Jahren möglich. Bei Operation waren die Teilnehmer durchschnittlich 51 Jahre alt. Primärer Endpunkt war die Zeit zwischen OP und Diagnose eines Hauttumors unter Berücksichtigung der HLA-Mismatches zwischen Spender und Empfänger. Es sind 0–6 Mismatches möglich.

Durchschnittlich gab es 4,3 Mismatches pro Organ. Wurden Alter, Geschlecht, Jahr der Transplantation und Tumoranamnese berücksichtigt, ergab sich eine Assoziation zwischen HLA-Mismatches und der Inzidenz von Hauttumoren: Die Inzidenz sank mit jedem zusätzlichen Mismatch statistisch signifikant. Pro HLA-Mismatch reduzierte sich das Hautkrebsrisiko um jeweils 7–8 % (p = 0,01). Eine Subgruppenanalyse ergab, dass diese Risikoreduktion auf die Empfänger von Lungen und Herzen zurückzuführen war (adjustierte Hazard Ratio [aHR] Lunge: 0,70; p = 0,001; aHR Herz: 0,75; p = 0,008), bei Transplantation anderer Organe gab es keine statistisch signifikante Assoziation. Am ausgeprägtesten war der Schutzeffekt bei differierenden HLA-DR-Merkmalen. Allerdings korreliert vor allem eine gute Übereinstimmung der HLA-DR-Merkmale mit einem besseren Graft-Überleben und ist daher erwünscht.

Fazit: Für Empfänger eines Lungen- oder Herztransplantats können HLA-Mismatches einen protektiven Effekt vor der Entwicklung von Hautkrebs haben. „Diese Daten reihen sich in die an den meisten deutschen Transplantationszentren etablierte Praxis einer individualisierten dermatologischen Nachsorgestrategie ein“, erläutert Dr. med. Claas Ulrich, Leitender Arzt am Hauttumorcentrum der Charité Berlin. „Chronisch immunsupprimierte Patienten werden mindestens 1-mal jährlich dermatologisch untersucht und diese Intervalle gegebenenfalls verdichtet.“ Dafür seien relevante Risikoparameter Lebensalter > 55 Jahre, Art und Dauer der Immunsuppression, hellere Hauttypen, berufliche oder private Sonnenbelastung, Auftreten von flächigen Warzen sowie aktinischen Keratosen oder Hauttumore in der Anamnese (3). „Ob sich aus den aktuellen Daten auch für unsere Patientenkollektive zusätzliche dermatoonkologische Risikoparameter ableiten lassen, müssen – nicht zuletzt wegen der heterogenen Datenlage im Kontext vorheriger Publikationen – prospektive Studien zeigen. Diese sollten dann außer Herz- und Lungentransplantierten auch Nieren- und Leberempfänger berücksichtigen.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. http://ctstransplant.org.
  2. Gao Y, Twigg AR, Hirose R, et al.: Association of HLA antigen mismatch with risk of developing skin cancer after solid-organ transplant. JAMA Dermatol 2019; doi:10.1001/jamadermatol.2018.4983.
  3. Ulrich C, Arnold R, Frei U, et al.: Skin changes following organ transplantation: an interdisciplinary challenge. Dtsch Arztebl Int. 2014; 111:188–94.

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