ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Eigenfettbehandlung: Hohe Nachfrage
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Viele Indikationen der Eigenfetttherapie betreffen die unveränderte „klassische“ Fetttransplantation ohne substanzielle Veränderung. Dabei bleibt Fettgewebe Fettgewebe und wird in derselben Sitzung lediglich mechanisch durch Liposuktion entnommen und demselben Patienten von demselben Arzt re-injiziert. Die stoffliche Veränderung unterscheidet sich nicht wesentlich von der Exzision eines Gewebeblockes, der Gefäßentnahme oder der Verarbeitung von anderen Gewebetypen, bei denen das Arzneimittelgesetz auch nicht zur Anwendung gelangt. Das gilt auch für die Knochentransplantation, z. B. vom Beckenkamm zum Arm oder zur Hand. Hier wird Spongiosa von Kortikalis getrennt und andernorts eingesetzt, auch in ein Gelenk, um dieses zu versteifen. Analog zum Fett gehört Spongiosa eigentlich nicht in ein Gelenk, zum Versteifen ist dies dennoch weltweit seit Jahrzehnten üblich. Andere Beispiele sind die Mundschleimhaut, die durch Haut mit Unterhaut und Faszie vom Unterschenkel ersetzt wird. Auch dies wäre nicht erlaubt, wenn man der Argumentation von Sanzenbacher und Frech folgt, da der Unterschenkel nicht in den Mund gehört. Rippenknorpel dient ebenso zur Rekonstruktion und wird dafür sogar gecrusht, damit er seine Elastizität – eine substanzielle Eigenschaft? – verliert. Das Einbringen von Sehnengewebe in Gelenke zur operativen Arthrosebehandlung an der Hand ist absoluter Standard. Ohne solche Techniken könnten keine Patienten behandelt werden, da insbesondere im Bereich der Hand künstliche Prothesen deutlich mehr Komplikationen verursachen und nicht lange halten. Unseriöse Reklame mit „scheinwissenschaftlichen“ Argumenten ist sicher abzulehnen, insofern sind die Ausführungen von Sanzenbacher und Frech sicherlich richtig. Aber gerade bei über 500 erfolgten Eigenfettinjektionen (klassische Lipoaspirate) mit allesamt komplikationslosem Verlauf kann man schlussfolgern, dass dies eine echte Alternative zur Trapezektomie etwa bei Daumensattelgelenksarthrose darstellt, noch dazu gering invasiv, zumindest eine sinnvolle Ergänzung des therapeutischen Spektrums. Die hohe Nachfrage durch Patienten bestätigt diesen Stellenwert. Eine Herstellungserlaubnis gemäß § 13 Abs. 1 AMG zu verlangen, unter der Prämisse, es würde sich um ein ATMP handeln, erfordert Bedingungen, welche durch einen operierenden Arzt nur schwer zu erfüllen sind. Aufgrund der Meinung des PEI, besteht aktuell nicht einmal die Möglichkeit, die Behandlung im Rahmen einer Studie anzubieten, wodurch zum weiteren Kenntnisgewinn beigetragen werden könnte.

Dr. med. Mike Ruettermann, 26122 Oldenburg

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