ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2019Psoriasis: IL-23-Inhibitor Guselkumab ist neue Option für schwer behandelbare Körperstellen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Psoriasis: IL-23-Inhibitor Guselkumab ist neue Option für schwer behandelbare Körperstellen

Dtsch Arztebl 2019; 116(8): A-373 / B-308 / C-304

Eckert, Nadine

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Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi
Foto: Science Photo Library/Dr. P. Marazzi

Kopfhaut, Handflächen, Fußsohlen, Finger- und Fußnägel: Das sind oft schwer zu behandelnde Körperstellen in der Psoriasistherapie.

Der Interleukin-23-(IL-23)Inhibitor Guselkumab könnte eine neue Therapieoption für genau diese problematischen Körperstellen sein. In einer Sekundäranalyse von 2 randomisierten klinischen Studien (VOYAGE 1 und VOYAGE 2) wurde er mit dem TNF-alpha-Blocker Adalimumab und Placebo verglichen. Die insgesamt 1 829 Studienteilnehmer litten an moderater bis schwerer Psoriasis (PASI-Score ≥ 12, IGA-Score ≥ 3, ≥ 10 % Körperfläche von Psoriasis betroffen). Sie wurden randomisiert entweder mit Guselkumab 100 mg (Woche 0 und 4, dann alle 8 Wochen), Placebo gefolgt von Guselkumab 100 mg (ab Woche 16) oder Adalimumab (80 mg in Woche 0, danach 40 mg alle 2 Wochen, Auswertung nach 24 Wochen) behandelt. Unter Guselkumab erreichte eine höhere Zahl an Patienten eine vollständige oder fast vollständige Erscheinungsfreiheit der Kopfhaut (scalp-specific Investigator’s Global Assessment [ss-IGA]-Score 0 oder 1) als unter Adalimumab und Placebo. Ähnliche Ergebnisse zeigten sich hinsichtlich der Erscheinungsfreiheit von Handflächen und/oder Fußsohlen: Einen Physician’s Global Assessment of the hands and/or feet (hf-PGA)-Score von 0 oder 1 erreichten in der Guselkumab-Gruppe signifikant mehr Patienten als in der Adalimumab- und der Placebogruppe. Bei der Wirkung auf die Fingernägel waren Guselkumab und Adalimumab vergleichbar. Während unter Guselkumab signifikant mehr Patienten einen fingernail PGA (f-PGA)-Score von 0 oder 1 erreichten als unter Placebo, waren die Scores in der Guselkumab- und der Adalimumab-Gruppe ähnlich.

Fazit: „Die Psoriasis galt lange bei Patienten wie bei Ärzten als eine schwer oder nicht behandelbare Erkrankung. Unser fortgeschrittenes pathogenetisches Verständnis, die Wertung der Erkrankung als systemische Entzündung wie auch das dramatisch gewachsene Spektrum an Therapiemöglichkeiten hat diese Bewertung grundlegend geändert“, kommentiert Prof. Dr. med. Michael Sticherling, Leitender Oberarzt und stellvertretender Klinikdirektor der Hautklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Guselkumab sei der jüngste Zugang der 9 verfügbaren Biologika und der erste aus der Gruppe der IL-23-Blocker. Mindestens 2 weitere Wirkstoffe werden im Laufe der nächsten Jahre erwartet. „Während TNF-alpha-Blocker ihre Stärke bei der Psoriasis-Arthritis haben und IL-17-Biologika einen sehr schnellen Wirkungseintritt zeigen, sind die IL-23-Blocker hinsichtlich ihrer langfristigen Wirksamkeit und Verträglichkeit stark. Die Wirksamkeit bei besonderen oder Problemlokalisationen – wie in der hier zitierten Arbeit dargestellt – ist für die Betroffenen manchmal bedeutsamer als die Wirksamkeit an der übrigen Haut“, so der Dermatologe. Da weitere Head-to-Head-Vergleiche für Biologika bisher nur sehr eingeschränkt zur Verfügung stünden, seien Verallgemeinerungen kritisch zu sehen. Insgesamt könne aber nun aus der Vielzahl der verfügbaren konventionellen und biologischen Systemtherapeutika patientengerecht das geeignete Präparat ausgewählt werden. Nadine Eckert

Foley P, Gordon K, Griffiths CEM, Wasfi Y, et al.: Efficacy of guselkumab compared with adalimumab and placebo for psoriasis in specific body regions. JAMA Dermatol 2018; 154: 676–83.

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