ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Viele Ursachen der Versorgungsdefizite
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Ich bin den Autoren dankbar für die Thematisierung der bestehenden Versorgungsdefizite bei Altersdepression. Sie erkennen negative Einstellungen als Ursache für das geringfügige psychotherapeutische Angebot (1).

Daneben fehlen gerontopsychotherapeutische Weiterbildungscurricula und die Wartezeiten auf einen Therapieplatz betragen Monate, was Therapieerfolg und Selbstständigkeit deutlich reduziert (2). Fehlende außerhäusliche Mobilität ist ein Problem (3).

Die vorgestellte telefonische Intervention bietet hier Vorteile. Die Einschlusskriterien zielen auf „junge Alte“ ohne ausgeprägte körperliche und psychische Erkrankung.

Die Untersuchung lässt die Fragen offen, wie viele Patienten zu t0 in einer Range des PHQ-D < 5 waren (= Remission), ob Patienten mit Schlafmittelabhängigkeit oder mittelgradigen kognitiven Defiziten (4), die häufig mit Altersdepressionen korrelieren, ausgeschlossen wurden und wie die knapp 75 % nicht remittierter Patienten weiterbehandelt werden.

Die Aufnahme einer psychotherapeutischen Intervention in den gestuften Behandlungsplan bei Nichtansprechen wäre empfehlenswert. In Folgeuntersuchungen sollte die Intervention mit einer Richtlinienpsychotherapie verglichen werden beziehungsweise die Kontrollgruppe nichttherapeutische Telefonkontakte erhalten. Trotz Einschränkungen ist die Intervention wichtig. Sie betont die Schlüsselrolle des Hausarztes in Diagnostik und Behandlungsinitiierung und bietet niederschwelligen Zugang zur Behandlung der Altersdepression. Implementieren ließen sich Therapiebegleiter als spezifisch geschulte Medizinische Fachangestellte der Hausarztpraxen, wenn die Leistung im EBM abgebildet würde.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0144a

Dr. med. Jana Hummel

Praxis für ambulante Geriatrie und Gerontopsychotherapie, Mannheim

praxis@geriatrie-rheinneckar.de

Interessenkonflikt

Dr. Hummel wurde für ihre Publikationen vom Kohlhammer-Verlag honoriert. Für ein von ihr initiiertes Forschungsvorhaben erhielt sie Gelder von der Robert Bosch Stiftung.

1.
Hölzel LP, Bjerregaard F, Bleich C, et al.: Coordinated treatment of depression in elderly people in primary care—a cluster-randomized, controlled study (GermanIMPACT). Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 741–7 VOLLTEXT
2.
Hummel J, Weisbrod C, Boesch L, et al.: AIDE- Acute illness and depression in elderly patients. Cognitive behavioral group psychotherapy in geriatric patients with comorbid depression: a randomized controlled trial. J Am Med Dir Assoc 2017; 18: 341–9 CrossRef MEDLINE
3.
Kopf D, Hummel J: [Depression in frail geriatric patients: Diagnostics and treatment]. Z Gerontol Geriatr 2013; 46:127–33 CrossRef MEDLINE
4.
Hummel J, Weisbrod C, Mueller-Wilmsen, et al.: Psychosocial interventions in elderly patients with early dementia and depression; BMJ 2012; 345: e5991 CrossRef MEDLINE
1.Hölzel LP, Bjerregaard F, Bleich C, et al.: Coordinated treatment of depression in elderly people in primary care—a cluster-randomized, controlled study (GermanIMPACT). Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 741–7 VOLLTEXT
2.Hummel J, Weisbrod C, Boesch L, et al.: AIDE- Acute illness and depression in elderly patients. Cognitive behavioral group psychotherapy in geriatric patients with comorbid depression: a randomized controlled trial. J Am Med Dir Assoc 2017; 18: 341–9 CrossRef MEDLINE
3.Kopf D, Hummel J: [Depression in frail geriatric patients: Diagnostics and treatment]. Z Gerontol Geriatr 2013; 46:127–33 CrossRef MEDLINE
4.Hummel J, Weisbrod C, Mueller-Wilmsen, et al.: Psychosocial interventions in elderly patients with early dementia and depression; BMJ 2012; 345: e5991 CrossRef MEDLINE

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