ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Ogilvie-Syndrom bei disseminierter Tuberkulose

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Ogilvie-Syndrom bei disseminierter Tuberkulose

Ogilvie syndrome in disseminated tuberculosis

Dtsch Arztebl Int 2019; 116(9): 145; DOI: 10.3238/arztebl.2019.0145

Krasselt, Marco; Lübbert, Christoph; Exner, Marc

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Computertomografische Aufnahme des Abdomens mit Kontrastmittel (sagittal) nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie und Prednisolongabe
Computertomografische Aufnahme des Abdomens mit Kontrastmittel (sagittal) nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie und Prednisolongabe
Abbildung
Computertomografische Aufnahme des Abdomens mit Kontrastmittel (sagittal) nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie und Prednisolongabe

Ein 25-jähriger Student aus Indonesien stellte sich mit Gewichtsverlust, Leistungsabfall, Dyspnoe und Erbrechen vor. Bei röntgenologisch nachweisbaren pulmonalen Verdichtungen, abdomineller Spiegelbildung, CT-morphologischem Hinweis auf eine Dünndarmstenose und dem Nachweis säurefester Stäbchen (Sputum, Magensaft) wurde eine disseminierte Tuberkulose (Tbc) mit mechanischem Ileus festgestellt. Der HIV-Test war negativ. Nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie ohne klinische Besserung zeigten sich zunehmend massiv distendierte Darmschlingen mit therapierefraktärer, schmerzhafter Obstipation. Bei unauffälligem Resistenztest wurde ein Tbc-Immunrekonstitutionssyndrom vermutet und Prednisolon gegeben. Hierunter kam es zu einem partiellen Ansprechen und die Dünndarmstenose war nicht mehr nachweisbar, jedoch imponierten unverändert massiv geblähte Kolonschlingen (Abbildung). Wir diagnostizierten ein infektionsassoziiertes Ogilvie-Syndrom und setzten nach Versagen von Neostigmin den Serotonin(5-HT4)-Rezeptoragonisten Prucaloprid ein, woraufhin sich die Darmfunktion vollständig normalisierte. Als Ogilvie-Syndrom (akute Kolonpseudoobstruktion) bezeichnet man einen massiv geblähten, atonen Dickdarm. Ätiopathogenetisch liegt vermutlich eine Funktionsstörung des autonomen Nervensystems vor. Bei Versagen der medikamentösen Therapie kommen eine endoskopische Dekompression oder (selten) chirurgische Maßnahmen (Resektion, Zökostomie) in Betracht.

Dr. med. Marco Krasselt, Sektion Rheumatologie, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Universitätsklinikum Leipzig

Dr. med. Marc Exner, Klinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, Department für Diagnostik,
Universitätsklinikum Leipzig

Prof. Dr. med. Christoph Lübbert, D.T.M.&H., Interdisziplinäres Zentrum für Infektionsmedizin (ZINF), Fachbereich Infektions- und Tropenmedizin, Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Department für Innere Medizin, Neurologie und Dermatologie, Universitätsklinikum Leipzig, christoph.luebbert@medizin.uni-leipzig.de

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Krasselt M, Exner M, Lübbert C: Ogilvie syndrome in disseminated tuberculosis. Dtsch Arztebl Int 2019; 116: 145. DOI: 10.3238/arztebl.2019.0145

►Vergrößerte Abbildung und englische Übersetzung unter: www.aerzteblatt.de

Computertomografische Aufnahme des Abdomens mit Kontrastmittel (sagittal) nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie und Prednisolongabe
Computertomografische Aufnahme des Abdomens mit Kontrastmittel (sagittal) nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie und Prednisolongabe
Abbildung
Computertomografische Aufnahme des Abdomens mit Kontrastmittel (sagittal) nach sechs Wochen tuberkulostatischer Therapie und Prednisolongabe

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