ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019GOÄ-Ratgeber: Geriatrisches Basis-Assessment – Koordination

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GOÄ-Ratgeber: Geriatrisches Basis-Assessment – Koordination

Dtsch Arztebl 2019; 116(9): A-438 / B-358 / C-354

Pieritz, Anja

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Während im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) Gebührenpositionen für das hausärztlich-geriatrische Basis-Assessment als Komplexleistungen enthalten sind, gibt es solche Komplexe in der Amtlichen Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) nicht.

Die beiden Gebührenpositionen im EBM beinhalten einen Komplex für die körperliche und geistige Befunderhebung (EBM-Nr. 03360) und einen Komplex für Beratung und Betreuung (EBM-Nr. 003362). Bei diesen Komplexleistungen werden zahlreiche obligate und fakultative Leistungen jeweils mit einer Pauschale vergütet. Dies ist in der GOÄ nicht möglich. Daher wurden die Leistungen der EBM-Komplexe einzelnen Leistungen der GOÄ (soweit möglich) zugeordnet. Zu Untersuchungs- und Beratungsleistungen sowie Testverfahren sind vier unterschiedliche GOÄ-Ratgeber bereits veröffentlicht worden (vergleiche die Ratgeber zum „Geriatrischen Basis-Assessment“ in Heft 42 und 44/2018 sowie 1–2 und 4/2019).

Das geriatrische Basis-Assessment zeichnet sich durch eine hohe koordinative Tätigkeit des Arztes aus. Bei der EBM-Nrn. 003362 wird die flankierende und kontinuierliche Koordination und Durchführung verschiedener therapeutischer Maßnahmen wie der Medikation und der Verordnung und Einleitung physiotherapeutischer beziehungsweise ergotherapeutischer Maßnahmen vorausgesetzt. In der GOÄ gibt es hierzu die Leistung nach Nr. 15 GOÄ: „Einleitung und Koordination flankierender therapeutischer und sozialer Maßnahmen während der kontinuierlichen ambulanten Betreuung eines chronisch Kranken“ (300 Punkte).

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In der Begründung der Bundesregierung zur 4. Änderungsverordnung der GOÄ heißt es: „Die Gebührenordnungsnummer 15 soll eine adäquate Honorierung der hausärztlichen Koordinierungsfunktionen im Rahmen der ambulanten Behandlung chronisch Kranker sicherstellen (Gespräche mit anderen behandelnden Ärzten, Vor- und Nachbereitung von Kranken­haus­auf­enthalten, regelmäßige Überprüfung der Medikation, Kontakte zu sozialen Einrichtungen oder Versicherungsträgern).“ Die Formulierung „während der kontinuierlichen ambulanten Betreuung“ bedeutet eine fortlaufende Information des Arztes über den Stand der therapeutischen und sozialen Maßnahmen im Hinblick auf das angestrebte Behandlungsergebnis. Als soziale Maßnahmen sind Tätigkeiten, die einen Kontakt beispielsweise zu ambulanten Pflegediensten oder Pflegeheimen, sozialen Einrichtungen, Kureinrichtungen, Kran­ken­ver­siche­rungen, Sozialarbeitern oder Ähnliche voraussetzen, zu verstehen. Die Formulierung der Leistungslegende setzt die Koordination von therapeutischen und sozialen Maßnahmen für den Ansatz der Nr. 15 GOÄ voraus. Unerheblich ist dagegen, ob der Schwerpunkt der Koordinationstätigkeit bei den therapeutischen oder den sozialen Maßnahmen liegt.

Die Nr. 15 GOÄ ist nur einmal je Kalenderjahr ansatzfähig. Dies bedeutet aber nicht, dass diese Leistung erst nach Ablauf eines Jahres angesetzt werden kann, sondern die Berechnung kann z. B. zu Beginn der Betreuung eines Patienten in der geriatrischen Grundversorgung zum Ansatz kommen. Dr. med. Anja Pieritz

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