ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Chronische lymphatische Leukämie: Für ältere Patienten ist Ibrutinib besser wirksam als eine Bendamustin-Kombination

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronische lymphatische Leukämie: Für ältere Patienten ist Ibrutinib besser wirksam als eine Bendamustin-Kombination

Dtsch Arztebl 2019; 116(9): A-423 / B-349 / C-345

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist eine Erkrankung des höheren Lebensalters: In Deutschland liegt das mediane Alter zum Zeitpunkt der Diagnose bei 72 Jahren für Männer und bei 75 Jahren für Frauen.

Standards der Behandlung für Patienten ab 65 Jahren sind die Chemoimmuntherapien Chlorambucil plus Obinutuzumab oder Bendamustin plus Rituximab. Vor allem bei Älteren werden diese Schemata wegen komorbiditätsbedingter Unverträglichkeiten häufig modifiziert. In einer prospektiv randomisierten Phase-3-Studie mit CLL-Patienten, die 65 Jahre oder älter waren, sind eine Chemoimmuntherapie (Bendamustin plus Rituximab) mit einer Ibrutinib-Monotherapie und mit Ibrutinib plus Rituximab in Effektivität und Verträglichkeit verglichen worden (Alliance-Studie).

547 Patienten im Alter zwischen 65 und 89 Jahren (median: 71 Jahre) sind nach der Diagnose CLL in 3 Behandlungsarme randomisiert worden: Bendamustin plus Rituximab (BR; n = 183), Ibrutinib-Monotherapie (I; n = 182) oder Ibrutinib plus Rituximab (IR; n =182). Die Behandlungen erfolgten für BR und Rituximab in 28-Tage-Zyklen, Ibrutinib wurde kontinuierlich gegeben. Patienten im BR-Arm konnten bei Fortschreiten der Erkrankung innerhalb eines Jahres nach der Progression zu einer Ibrutinib-Therapie überwechseln.

In der Chemoimmuntherapie-Gruppe lag das progressionsfreie Überleben (PFS) nach 2 Jahren bei 74 %, bei Ibrutinib-Monotherapie bei 87 % und bei der Kombination Ibrutinib plus Rituximab bei 88 %.

Es gab keine signifikanten Unterschiede im PFS zwischen einer Ibrutinib-Monotherapie und der Kombination dieses Tyrosinkinase-inhibitors (TKI) mit Rituximab, im Gegensatz zur TKI-Monotherapie oder der Kombination mit dem Anti-CD20-Antikörper vs. Bendamustin plus Rituximab: Die Hazard Ratios für einen Progress in 2 Jahren betrugen 0,39 und 0,38 in den I/IR-Armen im Vergleich zum BR-Regime (p jeweils < 0,001). Nach einem medianen Follow-up von 38 Monaten lag das PFS für die BR-Gruppe bei 60 %, aber bei 80 % in den beiden Tyrosinkinaseinhibitor-Armen. Das Gesamtüberleben unterschied sich zwischen allen 3 Gruppen nicht signifikant.

Hämatologische Nebenwirkungen von Grad 3 und höher traten im BR-Arm mit 61 % häufiger auf als in den beiden Ibrutinib-Armen (41 % [I] und 39 % [IR]). Nichthämatologische Nebenwirkungen aber waren unter Chemoimmuntherapie mit 63 % seltener als in den Ibrutinib-Armen (jeweils 74 %).

Fazit: „Die Ergebnisse der Alliance-Studie zeigen die Überlegenheit einer Dauertherapie mit Ibrutinib gegenüber der bei der CLL am häufigsten eingesetzten Chemoimmuntherapie, nämlich der Kombination aus Bendmustin plus Rituximab, in Bezug auf das progressionsfreie Überleben“, so das Fazit von Priv.-Doz. Dr. med. Barbara Eichhorst, Klinik für Innere Medizin I am Universitätsklinikum Köln. „In der Subgruppenanalyse fällt auf, dass vor allem Patienten mit einer rascher proliferierenden CLL, nämlich Fälle mit einem unmutierten IGHV-Status, von der Ibrutinib-Therapie profitieren, während bei langsamer proliferierenden CLL-Fällen mit mutiertem IGHV-Status die Kombination Bendamustin-Rituximab weiterhin eine gute Option ist.“ Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Woyach JA, Ruppert AS, Heerema NA, et al.: Ibrutinib regimens versus chemoimmunotherapy in older patients with untreated CLL. N Engl J Med 2018; 379: 2517–28.

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