ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Manfred Eigen †: Wettlauf der Genvarianten erforscht

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Manfred Eigen †: Wettlauf der Genvarianten erforscht

Siegmund-Schultze, Nicola

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Manfred Eigen, Foto: dpa
Manfred Eigen, Foto: dpa

Eigentlich hatte der spätere Chemienobelpreisträger Prof. Dr. rer. nat. Manfred Eigen Pianist werden wollen. Dann aber studierte er – nachdem er kriegsbedingt nicht hatte Musik machen können – Physik und Chemie an der Universität Göttingen. Anfang der 50er-Jahre erarbeitete Eigen am dortigen Max-Planck-Institut (MPI) für physikalische Chemie eine Methode, um ultraschnelle chemische Reaktionen im Mikro- und Nanosekundenbereich zu messen – ein wissenschaftlicher Durchbruch, für den er 1967 im Alter von 40 Jahren gemeinsam mit zwei Forschern den Nobelpreis für Chemie erhielt.

Schon zu dieser Zeit forschte Eigen multidisziplinär im Bereich von Biologie, Biochemie und Physik. Ihn beschäftigten die Selbstorganisation von Makromolekülen und die Entwicklung des Lebens. Er machte Evolutionsexperimente im Reagenzglas. Evolution sei nicht an komplette Organismen gebunden, wie Darwin vermutete, sondern an Nukleinsäure, sofern sie sich verdoppeln könne, erklärte der er. Das Spektrum von Varianten sei die eigentliche Zielscheibe der Evolution. Viren wie HIV vermehrten sich mit einer Mutationsrate knapp unterhalb einer kritischen Fehlerschwelle. Sie reagierten flexibel auf den Selektionsdruck durch Medikamente oder Antikörper. Zwischen Pathogen und Wirt komme es zum Wettlauf um die
bestangepassten Gene.

Eigen gilt als einer der wichtigsten deutschen Wissenschaftler. Er wurde 1927 in Bochum geboren und ist am 6. Februar mit 91 Jahren in Göttingen gestorben.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

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