ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Mammakarzinom: Auch Frauen über 65 Jahren kann eine neoadjuvante Chemotherapie nutzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Mammakarzinom: Auch Frauen über 65 Jahren kann eine neoadjuvante Chemotherapie nutzen

Dtsch Arztebl 2019; 116(9): A-422 / B-348 / C-344

Eckert, Nadine

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Foto: mauritius images
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In Deutschland wird für 2018 mit circa 71 900 Brustkrebsneuerkrankungen bei Frauen gerechnet, genaue Zahlen gibt es noch nicht. Circa die Hälfte der Patientinnen ist älter als 65 Jahre, ein Drittel über 70 Jahre (1). Das Lebensalter hat Einfluss auf die Chance für eine komplette pathologische Remission (pCR) und auf die Prognose nach neoadjuvanter Chemotherapie.

Mancher Arzt zieht aufgrund der vermeintlich schlechteren Prognose und der höheren Toxizitätsgefahr ältere Patientinnen möglicherweise nicht für eine neoadjuvante Chemotherapie in Betracht. Eine Analyse der Daten aus 8 prospektiven, randomisierten Studien der German Breast Group (GBG), in denen Anthrazyklin- und Taxan-basierte neoadjuvante Chemotherapien verwendet wurden, zeigt allerdings: Ein Alter über 65 Jahren hat zwar einen ungünstigen Effekt auf den Therapieerfolg, aber auch ältere Patientinnen haben die realistische Chance, mit einer neoadjuvanten Chemotherapie eine pCR zu erreichen.

Die Autoren um Dr. med. Gabriel von Waldenfels von der Klinik für Gynäkologie mit Brustzentrum an der Charité-Universitätsmedizin Berlin berichten: „Ein Alter über 65 Jahren ist bei Her2-negativem Brustkrebs ein signifikanter Prädiktor für eine niedrigere Rate an kompletten pathologischen Remissionen. Doch Frauen mit Her2-positivem Brustkrebs haben vergleichbar hohe pCR-Raten wie jüngere Patientinnen und ältere Frauen mit Hormonrezeptor+/Her2+-Tumoren haben sogar höhere pCR-Raten als jüngere.“ Darüber hinaus hatten ältere Frauen mit nicht triple-negativem Brustkrebs eine gute Prognose in Bezug auf das Gesamtüberleben: Es war vergleichbar dem von jüngeren Patientinnen, selbst wenn sie keine pCR erreichten.

Fazit: „Die Analyse der Berliner Kollegen in Zusammenarbeit mit der German Breast Group ist eine wichtige Auswertung aus den Daten mehrerer klinischer Studien“, resümiert Prof. Dr. med. Volkmar Müller, stellvertretender Klinikdirektor und Leiter der konservativen gynäkologischen Onkologie der Klinik für Gynäkologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. „Da in vielen Studien ältere Patientinnen unterrepräsentiert sind, ist die gemeinsame Analyse von mehreren Studien von großer Relevanz.“

Die Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) und auch die S3-Leitlinien raten dazu, eine neoadjuvante Chemotherapie zu erwägen, wenn die Indikation zu einer Chemotherapie gegeben ist (3, 4).

„Neue Therapieansätze sind in den vergangenen Jahren vor allem im Rahmen neoadjuvanter Studien untersucht worden. Die deutschen Studiengruppen nehmen hier weltweit eine führende Rolle ein“, kommentiert Müller. Die aktuelle Analyse sei ein wichtiger Beleg dafür, dass auch ältere Patientinnen, die grundsätzlich für eine Chemotherapie geeignet seien, nach den Leitlinien behandelt werden sollten und davon auch profitierten. Nadine Eckert

  1. Barinoff J, Traut A, Bauerschlag D, et al.: Chemotherapy for 70-Year-old women with breast cancer in Germany: a survey by the german breast group. Geburtshilfe Frauenheilkd 2013; 73: 433–9.
  2. Von Waldenfels G, Loibl S, Furlanetto J, et al.: Outcome after neoadjuvant chemotherapy in elderly breast cancer patients – a pooled analysis of individual patient data from eight prospectively randomized controlled trials. Oncotarget 2018; 9: 15168–79.
  3. https://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/mamma/2018–03.
  4. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Mammakarzinom_4_0/Version_4.1/LL_Mammakarzinom_Langversion_4.1.pdf.

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