ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Familiärer Brustkrebs: Mammografie entdeckt Krebserkrankungen vor dem 40. Lebensjahr

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Familiärer Brustkrebs: Mammografie entdeckt Krebserkrankungen vor dem 40. Lebensjahr

Dtsch Arztebl 2019; 116(9): A-424 / B-350 / C-346

Meyer, Rüdiger

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Foto: picture alliance
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Frauen mit einem erhöhten familiären Risiko können bereits vor dem 40. Lebensjahr an Brustkrebs erkranken. Eine Kohortenstudie zeigt nun, dass ein Mammografiescreening bereits im Alter von 35 bis 39 Jahren sinnvoll sein kann.

Die FH01-Studie hatte 2010 gezeigt, dass ein jährliches Screening im Alter von 40–49 Jahren viele Tumore im Frühstadium erkennt. Die prognostizierte 10-Jahres-Gesamtsterblichkeit war mit 1,10 % niedriger als in einer Kohorte ohne Screening (1,38 %). Diese Ergebnisse haben dazu beigetragen, dass der National Health Service (NHS) das frühere Screening für Frauen mit einem erhöhten Risiko anbietet.

Jetzt liegen die Ergebnisse der Anschlussstudie FH02 vor, die von der Stiftung „Breast Cancer Now“ gesponsert wurde. Dieses Mal war das Screening 2 899 Frauen bereits im Alter von 35–39 Jahren angeboten worden. Einschlusskriterium war eine positive Familienanamnese mit einem 10-Jahres-Risiko von 1,5 % auf eine Brustkrebserkrankung vor dem 40. Lebensjahr (nach Tyrer-Cuzick).

Wie Gareth Evans von der Universität Manchester und Mitarbeiter mitteilen, wurden (bei den Frauen, die an allen Untersuchungen teilnahmen) 50 Brustkrebserkrankungen (bei 49 Frauen) diagnostiziert. Darunter waren 35 invasive Mammakarzinome. Von diesen 35 invasiven Mammakarzinomen hatten 80 % (28/35) bei der Diagnose eine Größe von 2 cm oder weniger. Nur in 20 % (7/35) der Mammakarzinome war bereits ein Lymphknoten befallen.

Evans vergleicht die Ergebnisse mit der POSH-Studie, die eine Kohorte von 2 733 Frauen unter 40 Jahren mit ähnlichem Risiko begleitet hatte. Dort waren nur 45 % (131/293) der Brustkrebserkrankungen festgestellt worden, als der Tumor 2 cm oder kleiner war. Außerdem hatten 54 % (158/290) der Tumore bereits auf die Lymphknoten gestreut (Lancet Oncology 2018; 19: 169–180).

Eine Senkung der Sterblichkeit konnte die FH02-Studie nicht nachweisen. Evans schätzt die 10-Jahres-Gesamtüberlebensrate auf 79 % gegenüber 71 % in der POSH-Studie. Das relative Risiko von 0,72 verfehlte mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,49 bis 1,07 das Signifikanzniveau.

Fazit: Ob der NHS dem früheren Screeningbeginn zustimmen wird, bleibt abzuwarten. Der nächste Schritt dürfte eine Kosten-Nutzen-Analyse sein. Bedacht werden muss auch das Strahlenrisiko bei wiederholten Mammografien. Rüdiger Meyer

Evans DG, Thomas S, Caunt J; Final Results of the Prospective FH02 Mammographic Surveillance Study of Women Aged 35–39 at Increased Familial Risk of Breast Cancer. EClinicalMedicine.
DOI: https://doi.org/10.1016/j.eclinm.2019.01.005

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