ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Zervixkarzinom-Screening: Aus der Praxis
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Als niedergelassener Arzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe habe ich in den letzten 16 Jahren kein einziges Zervixkarzinom gehabt bei Frauen, die regelmäßig zur Vorsorge erscheinen. Der etablierte PAP-Test funktioniert ohne Ausnahme.

Frauen, die nicht zur Vorsorge gehen, haben die Chance, ein Zervixkarzinom zu erleiden. Deshalb ist ein (freiwilliges) Einladesystem wünschenswert. Das Jahresintervall hat sich somit mehr als bewährt und muss deshalb, auch wegen der günstigen Kosten, nicht geändert werden.

Das System der HPV-Diagnostik passt nicht auf deutsche Verhältnisse und kann nicht mit ausländischen Systemen zum Beispiel den Niederlanden, die ganz anders organisiert sind (Facharztzugang), verglichen werden.

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Die HPV-Impfung ist sinnvoll, wenn auch der Impfschutz nicht immer funktioniert, wie etliche Dysplasien geimpfter Patientinnen aus meiner Praxis belegen. Der Schutz betrifft eben nur ca. 70 % der Geimpften. Eine erhebliche Lücke, in der sich die Frauen in Sicherheit wiegen. Es sollte nicht wahllos geimpft werden, sondern zum richtigen Zeitpunkt, damit Impfschäden minimiert werden können. Es gibt eine zu große Anzahl an Dysplasien und somit späteren Zervixkarzinomen, die nicht HPV-verursacht sind (30 %).

Im deutschen, funktionierenden System bringt die HPV-Diagnostik gar nichts in der Vorsorge. Sie wird kein Leben retten, im Gegenteil, es werden dadurch HPV-negative Dysplasien „durchrutschen“ und sich dadurch die Anzahl an Zervixkarzinomen erhöhen!

Auch die Früherkennung von Mammakarzinomen wird schlechter werden, da viele Frauen davon ausgehen, dass der neue Rhythmus von 3 Jahren ausreichen wird. (AWMF, DKG, DSKH, G-BA, IQWiG, klingt gewichtig, ist es aber nicht!). Auch eine neue S3-Leitlinie spiegelt nicht wider, dass es ein funktionierendes System bereits gibt.

Hier wird ein funktionierendes System bewusst zerstört, weil pekuniäre Interessen im Vordergrund stehen und „scheinbar wissenschaftlich“ begründet werden. Ein Screeningsystem kann sich ethisch auch nicht nach dem Alter richten!

Übrigens: Die propagierte Kolposkopie ist sehr sinnvoll, aber sie wird nicht von den Krankenkassen bezahlt. Kann das der geforderte Goldstandard sein?

Das ist die Realität aus der Praxis mit 10 000en Zervixkarzinomvorsorgen.

Dr. med. Gunnar Hieber, 30159 Hannover

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