ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2019Zervixkarzinom-Screening: Enorme Kosten
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Der gesetzliche Auftrag für ärztliches Handeln der Regelversorgung der Bevölkerung unterliegt bekanntlich dem Wirtschaftlichkeitsgebot wie es im § 12 Sozialgesetzbuch V festgelegt ist.

Da ab dem 35. Lebensjahr nur etwa 6 % der HPV-Infektionen auftreten, finden die HPV-Tests pro 1 Million Untersuchter von vornherein 940 000 testnegative Fälle. HPV-Test positiv zeigt nur eine Infektion an, das ist aber nicht gleich ein Krebsfall.

Unter den 60 000 verbleibenden Fällen mit HPV-Infektionsfällen finden sich dann nur in 1 % Krebsfälle. Die zu erkennen erfordert wiederholte gynäkologische Untersuchungen mit Kolposkopie und Zytologie. Das kostet erneut enorm Geld.

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Ein HPV-Test soll zwischen 70 und 100 Euro kosten, ein zytologischer Abstrich verursacht 2 Euro an Materialkosten. Mit dem Titel „Absehbar längere Intervalle“ soll suggeriert werden, künftig werde Geld gespart.

Es hätte erst mal der Effekt der am 1. Juli 2014 eingeführten neuen Münchener Zytologienomenklatur abgewartet werden müssen und der weiteren qualitätsverbessernden Maßnahmen wie zum Beispiel obligate Fachfortbildung des ärztlichen und nicht ärztlichen Personal ehe überstürzt das gynäkologische Zyto-Krebsvorsorgeprogramm um die überflüssige HPV-Testung erweitert wird.

Ein nachweisbar effektives Zervixkrebsvorsorgeprogramm wird unnötigerweise für Frauen und Ärzte durch HPV-Screening nur gestört. Dies sollte zurückgenommen werden.

Prof. Dr. med. Hans Sachs, 23568 Lübeck

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