ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2019Gangrehabilitation nach Schlaganfall
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Die Autoren haben in den letzten Jahren in vielfachen Metaanalysen hervorragende Beiträge zu einem besseren Verständnis des differenzialtherapeutischen Einsatzes intelligenter mechanischer Trainingssysteme (Roboter) zur Gang- und Armrehabilitation geleistet. Umso befremdlicher wirken Fragestellung und Bearbeitung der jetzt vorgelegten Arbeit mit dem Titel „Verbesserung der Gehfähigkeit nach Schlaganfall“.

In einem systematischen Review aus 95 randomisiert kontrollierten Studien bei nach Schwere der Behinderung unselektierten erwachsenen Schlaganfallpatienten werden verschiedene Interventionen verglichen. Endpunkte sind Ganggeschwindigkeit, Gehstrecke und Gangausdauer. Das Ergebnis fällt dahingehend ernüchternd aus, dass die meisten der angegebenen Interventionen zu keinen signifikanten Verbesserungen führen. Lediglich für das Training mit Endeffektorsystemen gibt es für die Gehgeschwindigkeit schwach signifikante Verbesserungen.

Diese Metaanalyse ist handwerklich absolut einwandfrei durchgeführt. Das Problem liegt aber in der Art der Fragestellung und der Breite der Inklusion von Patienten. Der wesentliche Parameter in der Rehabilitation von schwerer betroffenen hemiparetischen Patienten nach Schlagfall ist, die Fähigkeit zum autonomen Gehen, sei es mit oder ohne Hilfsmittel, überhaupt erst wieder zu ermöglichen. Die Verbesserung der Ganggeschwindigkeit ist ein sekundärer Gesichtspunkt und gewinnt erst spät bei schon wieder weitgehend gehfähigen Patienten an Relevanz.

Ich kann der Argumentation der Autoren des Beitrags (1) durchaus folgen, dass eine hochrepetitive Gangtherapie (für bereits gehfähige Patienten) die Gehgeschwindigkeit wahrscheinlich effektiv verbessert. Leider kann diese Studie nichts zum oben erwähnten Kernproblem der Gangrehabilitation nach einem Schlaganfall beitragen. Vor diesem Hintergrund ist der Titel der Arbeit (1) leider irreführend und sollte angesichts der bisherigen überzeugenden Evidenz nicht missverstanden werden im Sinne eines therapeutischen Nihilismus für das Problem der Wiedererlangung der Gehfähigkeit nach einem Schlaganfall.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0174a

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Volker Hömberg

Fachklinik für Prävention und Rehabilitation
Ambulantes Therapiezentrum
SRH Gesundheitszentrum Bad Wimpfen GmbH

volker.hoemberg@srh.de

1.
Mehrholz J, Pohl M, Kugler J, Elsner B: The improvement of walking ability following stroke—a systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 639–45 VOLLTEXT
1.Mehrholz J, Pohl M, Kugler J, Elsner B: The improvement of walking ability following stroke—a systematic review and network meta-analysis of randomized controlled trials. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 639–45 VOLLTEXT

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