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Als Seeärzte, die Großsegler und Kreuzfahrtschiffe befahren, müssen wir dem genannten Artikel (1) in wesentlichen Punkten widersprechen.

Die Seekrankheit ist keine Individual-, sondern eine Massenerkrankung. Bei Seegang stehen schlagartig bis zur 100 und mehr Patienten gleichzeitig im Bordhospital. Das Krankheitsgefühl ist ungeheuer; viele „wünschen sich, zu sterben“. Wegen des teils überwältigenden Leidensdrucks muss umgehend Hilfe erfolgen und zwar mit sofort wirksamen Medikamenten. Gaben per os werden nur gleich wieder erbrochen. Bei den vielen gleichzeitig Erkrankten hilft ein standardisiertes Vorgehen: die intramuskuläre Gabe von Dimenhydrinat, auch in Kombination mit Metoclopramid (MCP). Bei einigen Patienten reicht die Verabreichung von Dimenhydrinat rektal. Oft muss auf die Hilfe des Krankenpflegepersonals bei der Triage, Medikamentengabe und Dokumentation zurückgegriffen werden.

Das Risiko bei vielen Erkrankten besteht darin, jene zu übersehen, die andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen haben oder wegen des Erbrechens Komplikationen ihrer Grunderkrankungen erleiden könnten.

Die Autoren des Beitrags empfehlen die Gabe von Scopolamin. Wer weiß jedoch schon Stunden im Voraus, dass er seekrank wird? Das Risiko bleibt unerwähnt: Nebenwirkungen der Substanz können im Fall eines Schädelhirntraumas klinisch nicht von einer zerebralen Blutung abgegrenzt werden. Cinnarizin ist in Deutschland nicht für die Behandlung der Seekrankheit zugelassen; es gibt nach unserem Wissen auch keine parenteral anwendbare Zubereitung.

Für uns umfasst die Behandlung der Seekrankheit auf Schiffen folgende Maßnahmen:

  • die Verabreichung von Dimenhydrinat und gegebenenfalls auch MCP – beide Wirkstoffe werden meist intramuskulär gegeben – und zusätzlich
  • Bettruhe für einige Stunden, denn im Schlaf sinkt der Spiegel der auslösenden Substanz Histamin im Serum ab.

DOI: 10.3238/arztebl.2019.0175b

Dr. med. Karsten Mülder, Berlin , karsten@muelder.info

Prof. Dr. med. Hans-Detlef Stober, Berlin

Dr. med. Walter Hamacher, Berlin

Dr. med. Gernot Spiewok, Schwerin

Dr. med. Katrin Pätel, End- und Dickdarmpraxis, Sindelfingen

Interessenkonflikt

Alle Unterzeichner arbeiten als Honorarärzte auf Kreuzfahrtschiffen.

1.
Koch A, Cascorbi I, Westhofen M, Dafotakis M, Klapa S, Kuhtz-Buschbeck JP: The neurophysiology and treatment of motion sickness. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 687–96 VOLLTEXT
1.Koch A, Cascorbi I, Westhofen M, Dafotakis M, Klapa S, Kuhtz-Buschbeck JP: The neurophysiology and treatment of motion sickness. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 687–96 VOLLTEXT

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