ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2019Kinder und Jugendliche: Psychische Störungen immer häufiger diagnostiziert

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Kinder und Jugendliche: Psychische Störungen immer häufiger diagnostiziert

PP 18, Ausgabe März 2019, Seite 100

Hillienhof, Arne

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Im Jahr 2017 wurde bei etwa jedem sechsten Heranwachsenden eine Entwicklungsstörung festgestellt. Foto: dpa
Im Jahr 2017 wurde bei etwa jedem sechsten Heranwachsenden eine Entwicklungsstörung festgestellt. Foto: dpa

Ärzte und Psychotherapeuten haben in den vergangenen Jahren immer häufiger eine psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen diagnostiziert. Das berichtet der Versorgungsatlas des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi). Datengrundlage waren die bundesweiten vertragsärztlichen Abrechnungsdaten der Jahre 2009 bis 2017 für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre. Erste Daten der Studie hatte das Zi bereits im vergangenen November bei einer Fachtagung (siehe PP 12/2018) vorgestellt. Der jetzt vorgestellte Bericht enthält zusätzliche Auswertungsergebnisse. Danach stieg der Anteil der Kinder und Jugendlichen, bei denen während eines Jahres mindestens einmal eine psychische Störung diagnostiziert wurde, von 23 Prozent im Jahr 2009 auf 28 Prozent im Jahr 2017.

Die Studie unterstreicht laut Zi, dass die Störungen stark vom Alter und vom Geschlecht abhängen. Bis zum Vorschulalter sind Entwicklungsstörungen die mit Abstand häufigste Diagnose. Im Jahr 2017 wurde bei etwa jedem sechsten Heranwachsenden (17 Prozent) eine Entwicklungsstörung diagnostiziert, in der Gruppe der fünfjährigen Jungen erhielt fast jeder zweite eine entsprechende Diagnose (45 Prozent). Altersgleiche Mädchen waren mit 32 Prozent etwas seltener betroffen. In den meisten Fällen handelte es sich um eine Sprachentwicklungsstörung. Ab dem Grundschulalter gewinnen dann Verhaltens- und emotionale Störungen zunehmend an Bedeutung. Im Jugendalter kommen neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen sowie affektive Störungen als relevante Krankheitsbilder hinzu.

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„Dieser Anstieg muss nicht grundsätzlich bedeuten, dass die Prävalenz psychischer Störungen zugenommen hat“, sagte Jörg Bätzing, Leiter des Versorgungsatlas-Teams. Auch die zunehmende Sensibilisierung für eine gesunde psychische Entwicklung von Kindern und Jugendlichen und der offenere Umgang mit psychischen Störungen könnten die Zunahme der Diagnosehäufigkeit erklären. hil

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